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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Periphere Mechanismen der Körpergewichtsregulation bei Anorexia nervosa (AN)

Meeting Abstract

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Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgess34

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess34.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Cuntz.
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Gliederung

Text

Menschliches Körpergewicht unterliegt hypothalamischen Regulationsmechanismen, deren phylogenetischer Auftrag die Konstanterhaltung der im Organismus gespeicherten Energie ist. Durch die intensive Forschung der letzten Jahre hat sich die Landkarte des Hypothalamus gründlich geändert. Während noch vor 20 Jahren ein Hunger- und ein Sättigungszentrum im Hypothalamus vermutet wurden, wird die Aufgabenteilung heute weit komplexer gesehen. Die Vorräte des Körpers werden durch ein energieerhaltendes Netzwerk verwaltet. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Nucleus arcuatus zu, der für die Integration der vom Körper kommenden Signale zuständig ist. Diese Signale informieren das Gehirn über die im Körper verfügbare Energie. Wesentliche Signale kommen dabei vom Gastrointestinaltrakt, wobei zu den schon lange bekannten Sättigungshormonen wie Insulin und Cholezystokinin immer neue und bedeutsame Regulatoren der Nahrungsaufnahme wie Ghrelin, PYY oder GLP I kommen.

Es wurden mehrere Studien zu CCK, Leptin, Ghrelin und PYY bei Patientinnen mit AN durchgeführt. Bestimmungen der Plasmawerte der jeweiligen Peptide erfolgten nüchtern und postprandial, vor und nach Gewichtszunahme.

In weitgehender Übereinstimmung mit Daten anderer Forschungsgruppen ist die Leptinfreisetzung bei AN stark erniedrigt, die Ghrelinfreisetzung stark erhöht. CCK-freisetzung wird duch das Essverhalten beeinflusst und weist eine verminderte postprandiale Freisetzung bei bulimischen Ptn. auf. Die PYY-freisetzung ist gegenüber Normalkollektiven bei AN vermehrt.

Die Veränderungen der Leptin- und Ghrelinfreisetzung entspricht dem schlechten Ernährungszustand der Ptn. Die periphere Regulation ist ungestört; gleichwohl fehlt eine angemessene Veränderung der Nahrungsaufnahme, die auf eine hypothalamische Störung der Integration peripherer Signale spricht. Die Bedeutung des erhöhten PYYs ist noch nicht klar. Hier könnte eine erste Erklärung für eine fehlende Zunahme der Nahrungsaufnahme bei AN liegen. Die CCK-freisetzung korreliert mit gestörtem Essverhalten ist aber wohl nicht relevant für die Regelung des Energiehaushaltes. Die Bedeutung weitere Peptide für die Gewichtsregulation und die Mechanismen der hypothalamischen Informationsverarbeitung werden dargestellt.