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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Klinische Signifikanz von Essanfällen bei Kindern im Grundschulalter

Meeting Abstract

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  • corresponding author A. Hilbert - Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie
  • J. Czaja - Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgess30

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess30.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Hilbert et al.
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Gliederung

Text

Einzelnen Berichten zufolge treten Symptome einer „Binge-Eating“-Störung (BED) bereits im Grundschulalter auf, das Symptombild der BED bei Kindern ist bislang jedoch weitgehend unerforscht.

N=54 Kinder, die in den vergangenen drei Monaten mindestens einen Kontrollverlust über ihr Essverhalten erlebt hatten, und n=40 Kindern ohne Kontrollverlust wurden bevölkerungsbasiert rekrutiert und mit klinischen Interviews und Selbstbeurteilungsfragebögen untersucht (Alter: 10.3 +/- 1.4 Jahre, 58.5% Mädchen).

Die Kinder mit Kontrollverlust berichteten im Child Eating Disorder Examination, im vorangegangenen Monat durchschnittlich fünf Mal die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren zu haben, zumeist in Form von objektiven Essanfällen. Essanfälle waren signifikant mit essensbezogenen Sorgen, Figur- und Gewichtssorgen, Depressivität sowie Übergewicht und Adipositas assoziiert, jedoch nicht mit vermehrten psychischen Störungen oder allgemeinen Verhaltensauffälligkeiten. Die Essstörungspsychopathologie von Kindern mit mehr als einem Essanfall pro Woche war vergleichbar mit der anderer Essstörungsstichproben, während die Psychopathologie von Kindern mit mehr als einem Essanfall pro Monat teilweise geringer war. Verhaltensindikatoren und Leidenskriterium des DSM-IV waren bei wenigen Kindern mit Essanfällen erfüllt und wenig konkordant. Andere vorgeschlagene Forschungskriterien (z. B. Suche nach Nahrung in Abwesenheit von Hunger) waren ebenfalls selten erfüllt und darüber hinaus wenig konkordant mit den DSM-IV-Kriterien.

Diese Ergebnisse zeigen eine klinisch signifikante Essstörungspsychopathologie bei Kindern mit mehr als einem Kontrollverlust pro Woche. Psychologische Merkmale, die für wiederkehrende Essanfälle im Kindesalter kennzeichnend sind, bedürfen weiterer Untersuchung.