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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Effekte des Somatostatin Analogons SOM230 auf die intestinale Anastomosenheilung nach Ganzkörperbestrahlung

Meeting Abstract

  • Philipp Holzner - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg
  • Gunar Leithold - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg
  • Birte Kulemann - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg
  • Torben Glatz - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg
  • Gabriel Seifert - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg
  • Sylvia Timme - Universitätsklinik Freiburg, Institut für Pathologie, Freiburg
  • Jens Höppner - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg
  • Ullrich Theodor Hopt - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg
  • Felix Momm - Universitätsklinik Freiburg, Klinik für Strahlenheilkunde, Freiburg
  • Anca Ligia Grosu - Universitätsklinik Freiburg, Klinik für Strahlenheilkunde, Freiburg
  • Goran Marjanovic - Universitätsklinik Freiburg, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Freiburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch613

DOI: 10.3205/12dgch613, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch6137

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Holzner et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Es ist bekannt, dass das neue Somatostatin Analogon SOM230 durch die Hemmung der Pankreasenzymsekretion die Dünndarmmukosa nach einer Ganzkörperbestrahlung signifikant schützt und die bakterielle Translokation reduziert (Quiang F, 2009).

Material und Methoden: 45 Wistar Ratten wurden in 4 Gruppen randomisiert: Kontrollgruppe ohne Bestrahlung und ohne SOM230 (Co, n=9), Gruppe ohne Bestrahlung und SOM230 (SOM, n=10), Gruppe mit Bestrahlung und ohne SOM230 (RTxCo, n=13), Gruppe mit Bestrahlung und mit SOM230 (RTxSOM, n=13). Die Ganzkörperbestrahlung erfolgte 4 Tage vor der Anastomosenanlage mit einem Kobalt60 γ-Strahler und einer Gesamtdosis von 8 Gy. Die subcutane SOM230 Applikation erfolgte 6 Tage vor der Anastomosenanlage in einer Dosis von 60mg/kgKG. Angelegt wurde eine Ileum End-Zu-End Anastomose 15 cm vor der Bauhinschen Klappe. Am 4. postOP Tag erfolgte die Messung des Berstungsdruckes [mmHg] und der Hydroxyprolinkonzentration [µg/g Trockengewicht] der Anastomose sowie die verblindete, semiquantitative Auswertung eines histologischen Wundheilungsscores modifiziert nach Verhofstad et al. (2001).

Ergebnisse: Die Morbidität und Mortalität (Anastomoseninsuffizienz, Ileus, Peritonitis) war in den Gruppen mit Bestrahlung (RTxCo, RTxSOM) signifikant höher als in den unbestrahlten Gruppen (30% vs. 5%). Bei vergleichbaren Hydroxyprolinkonzentrationen in allen Gruppen, war der Berstungsdruck bei den bestrahlten Tieren unabhängig von der SOM230 Applikation signifikant niedriger (Co 148 mmHg, SOM 155, RTxCo 79, RTxSOM 96). Histologisch fanden sich signifikant weniger Granulozyten im Anastomosengebiet bei den bestrahlten im Vergleich zu den unbestrahlten Tieren (RTxCo vs. Co, RTxCo vs. SOM; p<0.05). Bei den bestrahlten Tieren mit SOM230 Vorbehandlung ist die Granulozytenanzahl vergleichbar hoch wie in den unbestrahlten Gruppen.

Schlussfolgerung: Die Applikation von SOM230 hat bei unbestrahlten und bestrahlten Tieren keinen Effekt auf die Anastomosenstabilität. Bei vorbestrahlten Tieren scheint es jedoch die immunsuppressive / antiinflammatorische Wirkung der Bestrahlung abzuschwächen indem es den Granulozytenabfall im Anastomosengebiet verhindert. Weitere experimentelle Studien sind notwendig, eventuell mit einer gezielten Strahlentherapie des Dünndarms zur Minimierung der möglichen systemischen Folgen einer Ganzkörperbestrahlung, um die Effekte von SOM230 besser zu verstehen und einen möglichen klinischen Einsatz als Prophylaxe vor der Anlage von vorbestrahlten Hochrisikoanastomosen zu entwickeln.