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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Vom kurzfristigen Veränderungen zu dauerhaften Prozessverbesserungen mit Teamlernen und Teamsupervision in der Chirurgie

Meeting Abstract

  • Martin Holderried - Universitätsklinik Tübingen, Stabsstelle für Medizinplanung und Strukturfragen, Tübingen
  • Dirk Hofer - Universitätsklinik Tübingen, Stabsstelle Pflegeorganisation, Tübingen
  • Jens Maschmann - Universitätsklinik Tübingen, Stabsstelle für Medizinplanung und Strukturfragen, Tübingen
  • Jana Luntz - Universitätsklinik Tübingen, Pflegedirektion, Tübingen
  • Martin Richter - Universität Hohenheim, Institut für Health Care & Public Management, Stuttgart
  • Christian Ernst - Universität Hohenheim, Institut für Health Care & Public Management, Stuttgart
  • Claudia Schulz - Universitätsklinik Tübingen, Stabsstelle für Medizinplanung und Strukturfragen, Tübingen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch581

DOI: 10.3205/12dgch581, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch5815

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Holderried et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Überlastete Mitarbeiter und gleichzeitig ungenutzte Wirtschaftlichkeitsreserven, steigende ökonomische Zwänge, sowie die kontinuierliche Anforderung nach Qualitäts- und Serviceverbesserung sind aktuelle Herausforderungen in der Chirurgie.

Maßnahmen von externen Beratungsunternehmen, die im Alleingang festgelegt wurden und von den Abteilungen ohne Unterstützung umgesetzt werden sollen sind meist nicht von dauerhaftem Erfolg. Die Mitarbeiter fühlen sich bei dieser Vorgehensweise nicht integriert und sind nachvollziehbar für die anstehenden Veränderungen entsprechend gering. motiviert. Basieren auf diesen Erkenntnissen wurde an der Universitätsklinik Tübingen für Prozessverbesserungen interdisziplinäres Teamlernen mit Teamsupervisionen als Erfolgsmodell implementiert.

Material und Methoden: Für das Teamlernen wurde in einem ersten Schritt ein interdisziplinäres Projektteam aus Ärzten, Pflegekräften und Mitarbeitern aus der Verwaltung zusammengestellt und die Mitarbeiter von Anfang an die die Verbesserungsarbeit integriert. In Analyseworkshops wurden zu bearbeitende Themen definiert und themenspezifische Expertenteams gebildet. Die Teams erarbeiten in regelmäßigen Feedbackworkshops mit begleitenden Teamsupervisionen durch klinikinterne Spezialisten und externes Coaching Verbesserungsszenarien für die Implementierung im klinischen Alltag. Das regelmäßige Feedback und die permanente Auseinandersetzung der Mitarbeiter mit den Behandlungsabläufen bildet dabei die Grundlage für das Teamlernen und die erfolgreiche Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen.

Ergebnisse: In den berufsgruppenübergreifenden Workshops wurden bisher folgende gemeinsamen Ziele definiert, sowie Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet und erfolgreich implementiert:

  • Ablaufergonomischer Umbau und Anordnung von Sprechstundenräumen, Materialvorhaltung und neu implementierter zentraler Terminvergabe
  • Abstimmung der Sprechstundenzeiten von Spezialsprechstunden an die vorhandenen personellen und räumlichen Ressourcen für eine gleichmäßige Auslastung und Reduktion der Wartezeiten
  • Reduktion der Lagerhaltung auf 30% durch Abstimmung der verwendeten Materialien und Neuordnung des Bestellmanagements
  • Implementierung von Patientenpfaden und Checklisten analog zur „Good Clinical Practice“

Abbildung 1 [Abb. 1]

Schlussfolgerung: Die bewusste Reflexion der Behandlungsabläufe ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Lernprozessen in und von berufgruppenübergreifenden Teams im Krankenhaus. Der mit dem Teamlernen verbundene beruflich-soziale Lernprozess schafft längerfristige Veränderungen im Verhalten und ermöglicht so eine dauerhafte Sicherung von Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit in der Chirurgie.