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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Krankenhaus-Benchmarking durch Krankenkassen: Klinikfinder – Patientenservice, Lenkungsinstrument oder Irreführer?

Meeting Abstract

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  • Stefan Spieren - Florence-Nightingale-Krankenhaus, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie, Düsseldorf
  • Karl-Heinz Schultheis - Florence-Nightingale-Krankenhaus, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie, Düsseldorf

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch547

DOI: 10.3205/12dgch547, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch5474

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Spieren et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der Wettbewerb der Krankenkassen hat durch die Etablierung von sog. Klinikfindern, die den Patienten durch eine online Recherche bei der Auswahl des passenden Krankenhauses helfen sollen, einen Höhepunkt erreicht. Welchen Einfluss diese Tools auf Patienten und deren Auswahlkriterien bzw. welche Auswirkungen dies auf die Krankenhäuser selbst hat bzw. haben wird, ist nur schwer einzuschätzen.

Material und Methoden: Welche Daten zur Bewertung und zum Ranking der einzelnen Kliniken beitragen und wie weit das Leistungsspektrum und die gelisteten fachlichen Qualifikationen tatsächlich mit der entsprechenden Fachabteilung übereinstimmen ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Es existieren für unterschiedliche Krankenkassen eigens entwickelte – mehr oder weniger übersichtliche – Tools auf den zugehörigen Homepages. In regelmäßigen Abständen werden über die Presse Vergleiche zwischen regionalen Kliniken veröffentlicht.

Ergebnisse: Jede Krankenkasse beansprucht für sich einen eigenen sog. Klinikfinder, dabei wird allerdings nur ein Bruchteil der tatsächlich in einer Klinik behandelten Patienten widergespiegelt. Mit Hilfe der Presse erfahren diese Tools eine gewisse Eigendynamik zur Be- bzw. Aburteilung einer Klinik bzw. Fachabteilung. Ein eindeutiger Hinweis, dass es sich um ein eingeschränktes Patientenkollektiv handelt fehlt. Auch die Qualifikationen und Leistungen der Fachabteilungen werden teilweise nicht vollständig abgebildet. Bei Überprüfung der durch die Kassen veröffentlichten Klinikdaten zeigten sich teilweise beträchtliche Unterschiede zu den tatsächlichen Daten.

Schlussfolgerung: Es findet eine Beeinflussung der Patienten und deren Auswahlkriterien für eine bestimmte Klinik durch Krankenkassen durch sog. Klinikfinder – sicher nicht zuletzt durch die wiederholten Presseartikel – statt. Liegt eine gezielte Lenkung des Patientenstromes im Interesse der Kassen, da z.B. bestimmte Leistungen kassenabhängig erbracht werden? Welcher Image-Schaden den Kliniken durch diese Beeinflussung entsteht, ist nur zu vermuten. Wie hilfreich diese Tools für die Patienten selbst sind, sollte evaluiert werden. Die Kliniken sollte die durch die Kassen veröffentlichten Daten genau überprüfen und ggf. eine entsprechende Korrektur fordern um nicht einen unverschuldeten Wettbewerbsnachteil in Kauf nehmen zu müssen.