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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Empfehlungen für die präklinische Erstversorgung von Brandverletzten

Meeting Abstract

  • Christoph Hirche - BG Klinik Ludwigshafen und Universität Heidelberg, Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • Holger Engel - BG Klinik Ludwigshafen und Universität Heidelberg, Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • Adrien Daigeler - BG Klinik Ludwigshafen und Universität Heidelberg, Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • Leila Kolios - BG Klinik Ludwigshafen und Universität Heidelberg, Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • Manuel Hrabowski - BG Klinik Ludwigshafen und Universität Heidelberg, Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • Christoph Wölfl - BG Klinik Ludwigshafen, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Luftrettungszentrum Rettungshubschrauber Christoph 5, Ludwigshafen
  • Marcus Lehnhardt - BG Klinik Ludwigshafen und Universität Heidelberg, Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch505

DOI: 10.3205/12dgch505, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch5052

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Hirche et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die vorklinische Herangehensweise an Patienten mit großflächigen Verbrennungen bedeutet aufgrund der vergleichsweise niedrigen Inzidenz weiterhin eine Herausforderung. Unsicherheiten bestehen aufgrund: 1. rechtzeitiger vorklinischer Diagnostik potentiell lebensbedrohlicher Begleitverletzungen, 2. „richtiger“ Initialtherapie vom Unfallort bis in die Klinik und 3. Kontroversen innerhalb der nationalen und internationalen Fachgesellschaften.

Material und Methoden: Auf Grundlage der prä- und innerklinischen Erfahrungen des Zentrums sowie einer Literaturrecherche werden die Empfehlungen für einen interdisziplinären Leitfaden vorgestellt.

Ergebnisse: Die notwendigen Empfehlungen beinhalten die folgenden Schritte (Auszug):

  • Beseitigung der Hitzequelle, Stoppen des Verbrennungsprozesses, Sicherung Vitalparameter und Diagnostik von lebensbedrohlichen Begleitverletzungen: AcBC-Regel,PTHLS©:
  • Atemwegsmanagement: Diagnose Inhalationstrauma (IHT), Empfehlungen der ATLS® .
  • Kühlung: lokale, Temperaturmonitoring, Medium, Dauer, keine präfabrizierten Kühlverbänderung. Merksatz: ‘‘Cool the burn wound, but warm the patient’’
  • Analgesie und medikamentöse Therapie: intravenöse Schmerztherapie, keine Steroide, keine Antibiotika und keine Diuretika
  • Zugänge und Flüssigkeitstherapie: balancierten kristalloiden Flüssigkeitslösungen, „festen Flüssigkeitsmenge als Faustregel“, (siehe Tabelle 1 [Tab. 1])
  • Vorklinische Erstbeurteilung der VKOF: grob-orientierende Beurteilung ausreichend für Indikationskriterien Schwerbrandverletztenzentrum durch 9er Regel nach Wallace oder Halbierungsregel
  • Verbände in der präklinischen Versorgung: schmerztherapeutische und thermische Management, keine Externa, Metallfolien (e.g.: Metalline®)
  • Transport: “Zeit am Unfallort” kurz halten, Vorheizen des erforderlichen/verfügbaren Rettungsmittel, je nach Begleitverletzungen zuerst unfallchirurgischer Schockraum


Schlussfolgerung: Ziel der Empfehlungen ist die Beseitigung von Unsicherheiten und eine adäquate Therapie ohne Übertherapie. Die rechtzeitige Diagnostik von Begleitverletzungen durch standardisierte Vorgehensweise (AcBC-Regel, PTHLS und ATLS) ist essentiell. Darüber hinaus sollen Indikationskriterien für die präklinische Intubation die Vorgehensweise erleichtern. Eine "Faustformel" für die präklinische Flüssigkeitstherapie soll Unsicherheiten und Hyperhydratation vermeiden. Der Einsatz eines im Rettungsdienst etablierten, interdisziplinären Leitfadens durch die Fachgesellschaften soll die Behandlungsergebnisse langfristig verbessern.