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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Genetik und Abdominale Aortenaneurysmen

Meeting Abstract

  • Irene Hinterseher - Berlin
  • Gabor Gäbel - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Dresden
  • Hans-Detlev Saeger - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Dresden
  • Gerard Tromp - Geisinger Health System, Weis Center for Research, Danville, PA
  • Helena Kuivaniemi - Geisinger Health System, Weis Center for Research, Danville, PA

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch233

DOI: 10.3205/12dgch233, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch2338

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Hinterseher et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das abdominale Aortenaneurysma (AAA) ist eine multifaktorielle Erkrankung mit starker genetischer Komponente. Die familiäre Häufung von AAA wurde erstmalig 1977 beschrieben. Weitere Studien folgten, die in Stammbaumanalysen ein achtfach erhöhtes Risiko für ein AAA eines erstgradig Verwandten aufzeigten. Erste Kandidatengenstudien wurden vor ca. 20 Jahren durchgeführt und multiple genetische Assoziationsstudien für einzelne single nucleotide polymorphisms (SNPs) folgten. Diese Arbeit gibt einen Überblick über die Ergebnisse der durchgeführten genetischen Assoziationsstudien bei AAA.

Material und Methoden: Es wurde die Literatur zu genetischen Assoziationsstudien bei AAA von 1977 bis August 2011 unter Nutzung der elektronischen Datenbank PubMed aufgearbeitet. Die Gene mit ihren SNPs wurden in funktionelle Gruppen eingeteilt. Die Fallzahl wurde als statistisch valide eingeschätzt, wenn für die Studie mehr als 150 Proben pro Fall und Kontrolle eingeschlossen wurden.

Ergebnisse: Es finden sich in der Literatur circa 100 genetische Assoziationsstudien zum AAA, darunter wurden 83 Kandidatengene mit mehr als 1000 SNPs untersucht. Mehr als die Hälfte der Studien erreichen nicht die statistische notwendige Fallzahl von 150 Patienten pro Fall und Kontrolle.

Für einzelne SNPs in folgenden Genen zeigte sich eine signifkante Assoziation zum AAA:

1.
Gene der extrazellulären Matrix: CST3, ELN, TIMP1, MMP3, MMP9, PEPD
2.
Gene des kardiovaskulären Systems: ACE, AGT, AGTR1, AHCY, MTHFD1, MTR, MTRR, TYMS
3.
Gene des Immunsystems: HLA-DR, HLA-DQ, IL6, PRARG
4.
Gene in Signalwegen: LTBP4, TGFBR1, TGFBR2, TGFBR3
5.
Gene und Genloci, die in genomweiten Assoziationsstudien oder familiären Linkage-Studien identifiziert wurden: CDKN2BAS, CNTN3, CSPG2, Chr 19q13, Chr 9p21, Chr 3p12.3

Einige dieser Assoziationen konnten in Folgestudien oder anderen Populationen nicht repliziert werden, für andere Assoziationen stehen Replikationsstudien noch aus.

Schlussfolgerung: Bis heute ist die genetische Komponente bei der Erkrankung des AAA nicht klar identifiziert. Klinisch beobachtet man auch in der AAA Patientengruppe unterschiedliche klinische Ausprägungsgrade, so dass man von genetischer Heterogenität ausgehen muß.

Das oben stehende Abstract wurde bereits unter folgendem Titel veröffentlicht:

Hinterseher I, Tromp G, Kuivaniemi H. Genes and abdominal aortic aneurysm. Ann Vasc Surg. 2011 Apr;25(3):388-412

Im vorliegenden Beitrag wurden lediglich Aktualisierungen aufgrund neuer Erkentnisse gegenüber der bereits erfolgten Veröffentlichung vorgenommen.