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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Ileoileale Invagination beim Kind – nur ein temporärer Zufallsbefund im Ultraschall?

Meeting Abstract

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  • Christiane Baier - Klinik für Kinderchirurgie FSU Jena, Kinderchirurgie, Jena
  • Chris Ute Heinick - Klinik für Kinderchirurgie FSU Jena, Kinderchirurgie, Jena
  • Felicitas Eckoldt-Wolke - Klinik für Kinderchirurgie FSU Jena, Kinderchirurgie, Jena

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch231

DOI: 10.3205/12dgch231, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch2316

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Baier et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Darminvaginationen treten mit einer Inzidenz von 0,66-2,24 Erkrankungen pro 1000 Krankenhausvorstellungen auf (Schmittenbecher et al, 2010). In 80% finden sich hierbei ileokolische und ileozökale Invaginationen und nur 6% werden Dünndarminvaginationen zugeschrieben. Diese gelten bisher als selbstlimitierender Zufallsbefund in der Abdomensonografie bei asymptomatischen Kindern. Rezidivieren sie, können Pathologien wie Meckeldivertikel, Lymphome, aber auch Duplikaturen des Magen-Darm-Traktes ursächlich sein. Duplikaturen kommen mit einer Inzidenz von 1:4500 Geburten sehr selten vor, betreffen aber zu 50% den Dünndarmbereich (Shew u. Holocomb, 2005). Generell führen die genannten Anomalien nur selten zu Komplikationen wie die operationsbedürftige Invagination.

Material und Methoden: Fallvorstellung

Ein 6 Wochen alter Säugling kam in reduziertem Allgemeinzustand mit galligem Erbrechen zur stationären Aufnahme in einer heimatnahen Kinderklinik unter dem Verdacht auf eine Gastroenteritis. In der primären Abdomensonografie wurde eine ileoileale Invagination diagnostiziert. Bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes und Persistenz des sonografischen Befundes über 12 Stunden wurde der Säugling zur weiteren Therapie in die Kinderchirurgie verlegt. Es erfolgte eine Notlaparotomie. Hier bestätigte sich die ileoileale Invagination, die gelöst werden konnte. Als Invaginatkopf wurde eine zystische Darmduplikatur identifiziert und reseziert. Eine End-zu-End-Anastomose wurde angelegt. In der Histologie bestätigte sich die klinische Diagnose einer Dünndarmduplikatur.

Ergebnisse: Dünndarmduplikaturen sind seltene Pathologien, die zumeist zystisch auftreten. Klinisch auffällig werden die Duplikaturen zumeist in der frühen Kindheit mit Erbrechen, Meläna und abdominellen Raumforderungen. Oft dienen die Duplikaturen als Invaginatkopf einer ileoilealen Invagination. Bei Unklarheiten und guter Kondition des Kindes kann eine diagnostische Laparoskopie erwogen werden (Steyaert u. Valla 2008). Aufgrund der gemeinsamen Blutversorgung ist eine Enukleation der Duplikatur zumeist nicht möglich, sodass eine Resektion und End-zu End-Anastomose des Dünndarmes vorgenommen werden muss.

Schlussfolgerung: Ileoileale Invaginationen beim symptomatischen Kind müssen Anlass sein, nach ursächlichen Pathologien zu suchen. Die Diagnose einer Darmduplikatur wird zumeist erst intraoperativ gestellt.