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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Ergebnisse der operativen Therapie von Lungenabszessen

Meeting Abstract

  • Peter Kujath - UK-SH Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Stefan Limmer - UK-SH Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Erik Schlöricke - UK-SH Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Martin Hoffmann - UK-SH Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch214

DOI: 10.3205/12dgch214, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch2141

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Kujath et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der Lungenabszess ist eine Erkrankung mit primär konservativem Behandlungsansatz. Es existieren nur wenige Daten über die Indikationen und Ergebnisse einer operativen Therapie.

Material und Methoden: Es erfolgte die retrospektive Analyse einer prospektiven Kohorte von insgesamt 45 Patienten, die aufgrund eines Lungenabszess operiert wurden. Ein besonderer Fokus bei der Auswertung lag auf dem mikrobiologischen Spektrum der nachgewiesenen Keime. Der Entschluß zur Durchführung einer operativen Therapie wurde bei Blutung, Fistelung mit Pneumothorax, Destruktion des Lungenlappens und septischer Entgleisung des Patienten gefällt.

Ergebnisse: Es wurden 45 Patienten aufgrund eines Lungenabszess behandelt. Das Verhältnis Männer/Frauen war 29/16. Der durchschnittliche APACHE-II Score betrug 21,4 - 10,2. Als Ursache wurde in 10 Fällen eine Lungengangrän bei Embolie, in 13 Fällen ein nekrotisierendes Karzinom, in 13 Fällen eine Abszedierung bei Immunsuppression und Therapie einer rheumatoiden Arthritis oder eines Morbus Crohn, in 5 Fällen eine nekrotisierende Aspergillose und in 4 Fällen eine multiresistente Tuberkulose nachgewiesen. Wir führten in allen Fällen anatomische Resektionen durch. Lediglich in vier Fällen mußte eine Pneumonektomie bei völlig destruierter Lunge erfolgen. Die 30-Tages Letalität betrug 8,8%, alle Patienten verstarben an einem persistierenden septischen Schock meist bei Pneumonie der Gegenseite. Majorkomplikationen (Notwendigkeit einer Rethorakotomie, Verlängerung Intensivtherapie) umfaßten 2 persistierende Fistelungen und 2 Nachblutungen sowie eine Pneumonie mit Nachweis eine multiresistenten Pseudomonas spp. Minorkomplikationen wurden bei 20% der Patienten beobachtet. Exemplarisch sind hier ein Thoraxwandhämatom, Wundinfekte im Bereich der Thorakotomie und prolongierte Drainagelage zu nennen. Eine Persistenz oder ein Rezidiv der Erkrankung wurde nicht beobachtet.

Die mikrobiologische Aufarbeitung der Proben wies eine Verschiebung des Keimspektrums über den Zeitraum von 10 Jahren hin zu multiresistenten und vermehrt Pilzen nach.

Schlussfolgerung: Von entscheidender Bedeutung ist die Festlegung des OP-Zeitpunktes und eine optimale prae- und postoperative Betreuung des Patienten. Die Durchführung anatomischer Resektionen sind für eine adäquate Kontrolle des Fokus und Prophylaxe potentiell letaler intraoperativer Blutungskomplikationen von entscheidender Bedeutung. Bei nachgewiesener Verschiebung der Keimspektrums sollte die initiale Therapie des Lungenabszess mit einem Breitspektrumantibiotikum und ggf. einem Echinocandin erfolgen.