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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Interdisziplinäre Therapie der fortgeschrittenen Sternumosteomyelitis mit gestielten und freien Myokutanlappen – Ein individualisierter Therapiealgorithmus

Meeting Abstract

  • Ulrich Kneser - Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Erlangen
  • Justus P. Beier - Universitätsklinikum Erlangen, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Erlangen
  • Adrian Dragu - Universitätsklinikum Erlangen, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Erlangen
  • Andreas Arkudas - Universitätsklinikum Erlangen, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Erlangen
  • Horia Sirbu - Universitätsklinikum Erlangen, Abteilung für Thoraxchirurgie, Erlangen
  • Raymund E. Horch - Universitätsklinikum Erlangen, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Erlangen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch213

DOI: 10.3205/12dgch213, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch2138

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Kneser et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Therapie der fortgeschrittenen Sternumosteomyelitis erfordert häufig die radikale Resektion von signifikanten Anteilen des Sternums sowie die Defektrekonstruktion mit gefäßgestielten Muskellappenplastiken. Im Folgenden soll ein individualisierter Ansatz zur Weichteilrekonstruktion beschrieben werden.

Material und Methoden: In einer retrospektiven Analyse wurden alle zwischen 06/2003 und 04/2011 mittels Myokutanlappenplastiken versorgte Patienten mit fortgeschrittener Sternumosteomyelitis eingeschlossen. Es erfolgte das interdisziplinäre Debridement sowie die Anlage eines VAC Verbandes. Im Intervall erfolgte die Defektrekonstruktion. Die Lappenplastiken wurden entsprechend fest definierter Kriterien indiziert: Defekte in der kranialen Hälfte des Sternums wurden mittels Pectoralislappen (PEC), Defekte in der kaudalen Hälfte mittels kranial gestielter Rectus abdominis (REC) Muskel-Lappen rekonstruiert. Defekte der kaudalen 2/3 des Sternums wurden mit dem vertikalen myoktuanen Rectus abdominis Lappen (VRAM) versorgt. Die Durchgängigkeit der A. mammaria interna wurde im Hinblick auf kranial gestielte VRAM Lappen berücksichtigt. Defekte, welche sich auch in den lateralen Thorax erstreckten wurden mittels Latissimus dorsi (LAT) Lappenplastiken verschlossen. Ausgedehnte Defekte des gesamten Sternums erforderten entweder kombinierte Lappenplastiken (PEC + REC) oder die mikrochirurgische freie Gewebetransplantation.

Ergebnisse: Bei 40 Patienten wurden 50 gestielte Lappenplastiken (19 PEC, 12 VRAM, 11 REC, 8 LAT) und 6 freie Lappenplastiken (1 LAT, 2 REC, 3 transverse Rectus abdominis Myokutanlappen (TRAM)) eingesetzt. Bei 8 Patienten kamen kombinierte Lappenplastiken zum Einsatz. Es wurden 4 Nekrosen im Bereich der Lappenspitze (<20%) sowie 6 revisionspflichtige Hämatome beobachtet. In 4 Fällen kam es zum Rezidiv der Osteomyelitis, welches durch erneutes Debridement und Lappenvorschub therapiert werden konnte. Eine Patientin verstarb 3 Wochen postoperativ an einer Pneumonie. (Abbildung 1 [Abb. 1])

Schlussfolgerung: Der vorgestellte individualisierte Therapiealgorithmus erlaubt die sichere und differenzierte chirurgische Rekonstruktion von prästernalen Defekten. Der Einsatz von freien oder kombinierten Lappenplastiken ermöglicht auch bei großflächigen Gewebedefekten einen spannungsfreien Wundverschluss. Aufgrund der komplexen anatomischen Situation sollten verschiedene Lappenplastiken und ggf. auch mikrochirurgische Techniken sicher beherrscht werden. Eine interdisziplinäre Therapiestrategie unter Einbindung verschiedener Chirurgischer Fachdisziplinen ist bei der Therapie der fortgeschrittenen Sternumosteomyelitis wünschenswert.