gms | German Medical Science

129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Traumatische Apophysenlösung des Trochanter minor

Meeting Abstract

  • Thomas Ruffing - Westpfalz-Klinikum, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern
  • Tim Danko - Westpfalz-Klinikum, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern
  • Georg Arend - Westpfalz-Klinikum, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern
  • Markus Muhm - Westpfalz-Klinikum, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern
  • Hartmut Winkler - Westpfalz-Klinikum, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch074

DOI: 10.3205/12dgch074, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch0743

Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Ruffing et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Bei der Apophysenlösung des Trochanter minor handelt es sich um eine seltene bzw. selten erfasste Verletzung. Hösli und von Laer konnten in einem Zeitraum von 20 Jahren lediglich 3 Avulsionsfrakturen des Trochanter minor beobachten. Jonasch und Bertel fanden bei 263166 Kinderunfällen zwischen 1966 und 1976 in Österreich lediglich 5 Avulsionsfrakturen des Trochanter major und minor (=0,0021%). In einer Vielzahl der Fälle wird der Befund möglicherweise als Hüftzerrung, Muskelzerrung oder Muskelfaserriss fehlinterpretiert. Im Verlauf kann die typische hypertrophe Knochenheilung wie ein bösartiger Knochentumor imponieren, so dass bei hüftnahen, tumorartigen Knochenveränderungen in der Anamnese nach einer abgelaufenen Apophysenverletzung gefragt werden sollte.

Material und Methoden: Ein 13-jähriger Junge verspürte beim Anlauf zum Weitsprung im Sportunterricht plötzlich einen Schmerz im Bereich des linken Oberschenkels. Klinisch zeigte sich eine Beugeschonhaltung der linken Hüfte sowie eine druckdolente, diskrete Weichteilschwellung im Bereich des medialseitigen proximalen linken Oberschenkels. Die Hüftgelenksbeweglichkeit war schmerzbedingt deutlich eingeschränkt. Die Röntgenaufnahme des Beckens sowie der linken Hüfte axial ergab eine um 2,5 cm dislozierte Apophyse des Trochanter minor. Unter begleitender Analgesie sowie initialer Kryotherapie erfolgte die Mobilisation unter Entlastung der linken unteren Extremität an 2 Unterarmgehstützen.

Ergebnisse: Nach 6 Wochen konnte bei Schmerzfreiheit mit der Belastungssteigerung begonnen werden. Volle Sportfähigkeit wurde 12 Wochen nach dem Unfallereignis erreicht.

Schlussfolgerung: Die traumatische Apophysenlösung des Trochanter minor stellt eine seltene Verletzungsentität dar. Der klinische Verdacht ist radiologisch einfach zu verifizieren. Die Akuttherapie ist unabhängig vom Dislokationsgrad immer konservativ. Bei symptomatischer Pseudarthrose bzw. schmerzhafter Exostose kann eine operative Therapie indiziert sein. Die traumatische Apophysenlösung des Trochanter minor sollte in der Liste der Differentialdiagnosen des Leistenschmerzen beim Jugendlichen nicht vergessen werden. Die Arbeit wurde von "Der Unfallchirurg" (Springer-Verlag) zur Publikation angenommen. Die Urheberrechte liegen somit beim Springer-Verlag.