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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Die Bedeutung des Unfallzeitpunktes in der initialen Traumaversorgung: Eine Untersuchung anhand 722 konsekutiver Polytraumapatienten

Meeting Abstract

  • Adrian Billeter - Universitätsspital Zürich, Klinik für Unfallchirurgie, Zürich
  • Valentin Neuhaus - Universitätsspital Zürich, Klinik für Unfallchirurgie, Zürich
  • Guido Wanner - Universitätsspital Zürich, Klinik für Unfallchirurgie, Zürich
  • Hans-Peter Simmen - Universitätsspital Zürich, Klinik für Unfallchirurgie, Zürich
  • Matthias Turina - Universitätsspital Zürich, Klinik für Unfallchirurgie, Zürich

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch828

DOI: 10.3205/11dgch828, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch8283

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Billeter et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die präklinische Rettung wie auch die initiale Schockraumbehandlung sind massgebend für das Behandlungsresultat in der Unfallchirurgie. Unsere Hypothese war, dass sich Unterschiede in der Behandlungsqualität abhängig vom Wochentag und der Tageszeit des Unfallereignisses ergeben.

Material und Methoden: Single-Center Kohortenstudie: Erwachsene Traumapatienten (ISS≥16) der Jahre 2004–2009, inklusive Spätverlegungen und Frühverstorbene wurden eingeschlossen. 170 Prozess- und Outcomeparameter wurden verglichen zwischen Unfallpatienten die tagsüber oder nachts, respektive unter der Woche oder am Wochenende eintreten. Univariate und multivariate Analysen wurden mit SPSS 18,0 durchgeführt.

Ergebnisse: 722 Patienten (73,3% männlich) mit einem ISS von 31,9±0,4 (NISS 42,4±0,5) wurden eingeschlossen. Freitag- und Samstagabend stieg der Anteil weiblicher Patienten auf 50,0% (p=0,007). Weder die Dauer der präklinischen Rettung, der Schockraumbehandlung, noch die Zeit bis Intensiveintritt unterschieden sich. Luftrettung erfolgte häufiger tagsüber (52,4% vs. 44,2% nachts, p=0,029). Spätverlegungen erfolgten am häufigsten Freitag nachmittags (14,3%) und montags (20,0%). Subduralhämatome traten Freitag und Samstag nachts gehäuft auf, entsprechend dem dann erhöhten AIS Schädel. Eintrittslaktat und -Base Excess zeigten höchste Werte in den Nächten Donnerstag bis Sonntag. Das Outcome unterschied sich weder bezüglich Inzidenz der Sepsis (17,7%), Tod (27,1%), noch der Länge der maschinellen Beatmung, dem Intensiv- oder Klinikaufenthalt. Schädelhirntrauma, Eintrittslaktat >2,5 mMol/L und APACHE II>16 waren Prädiktoren für erhöhte Mortalität unabhängig des Eintrittszeitpunktes.

Schlussfolgerung: Die Qualität und der Zeitbedarf der initialen Behandlung an einem Traumazentrum sind unabhängig von der Tageszeit oder dem Wochentag bei dauerhafter Verfügbarkeit der Sanität und Luftrettung. Adäquate personelle Ressourcen mit zeitlich uneingeschränktem medizinischem Leistungsangebot sind entscheidend, was insbesondere im Rahmen zunehmender Arbeitszeitrestriktionen bedeutsam wird.