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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Ausbildung eines chronischen Schmerzsyndroms durch Netzschrumpfung nach laparoskopischer intraperitonealer Onlay Mesh Implantation (IPOM)

Meeting Abstract

  • Fritz Klein - Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Berlin
  • Carlos Ospina - Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Berlin
  • Martin Koch - Institut für Pathologie, Campus Mitte, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
  • Peter Neuhaus - Charité, Campus Virchow Klinikum, Klinik für Allgemein-, Viszerall- und Transplantationschirurgie, Berlin
  • Sven-Christian Schmidt - Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Berlin

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch797

DOI: 10.3205/11dgch797, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch7971

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Klein et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die laparoskopische intraperitoneale Onlay Netzplazierung (IPOM) stellt ein gängiges Verfahren zur chirurgischen Behandlung großer Nabelhernien dar. Die Ausbildung von chronischen Schmerzsyndromen im Rahmen der intraperitonelen Verwendung von Netzen wird kontrovers diskutiert. Als Ursache wird einerseits die Fixation der Netze an der Bauchdecke durch Nähte oder genannt. Andererseits sind die Netz-assoziierten Schmerzen möglicherweise auch auf eine stattfindene Netzschrumpfung zurückzuführen. Es wird hier der Fall eines 58-jährigen männlichen Patienten berichtet, bei dem zur Behandlung einer großen Nabelhernie mit gleichzeitig bestehender symptomatischen Rektusdiastase laparoskopisch ein 20x30 cm großes, mit Omega-3-Fettsäuren beschichtetes Netz (C-QUR-Edge Mesh®) implantiert wurde.

Material und Methoden: 12 Monate nach der unkompliziert verlaufenden Primäroperation stellte sich der Patient wiederholt mit zunehmenden Schmerzen und einem Fremdkörpergefühl im Bereich der vorderen Bauchwand in unserer Sprechstunde vor. Um eine Hernierung von Omentum- oder Dünndarmanteilen zwischen Netz und Bauchdecke auszuschließen, erfolgte im weiteren Verlauf eine Computer Tomographie des Abdomens. Hier zeigte sich überraschenderweise, dass es zu einer erheblichen Netzschrumpfung gekommen war.

Ergebnisse: Sechzehn Monate nach der laparoskopischen IPOM Operation führten wir den Revisionseingriff mit Netzexplantation durch. Nabelhernie und Rektusdiastase wurden durch eine Direktnaht verschlossen. Intraoperativ zeigte sich ein auf 18x20 cm zusammengeschrumpftes Netz mit wulstartig aufgetriebenen Rändern. Die Unterseite des Netzes war großflächig mit Anteilen des Omentum majus adhärent. In der histopathologischen Aufarbeitung des Netzimplantates zeigte sich, dass das Netz plattenartig mit vernarbtem Fettbindegewebe umgeben war. Weiterhin lag eine ausgeprägte chronische Entzündungsreaktion vor. Der Patient wurde fünf Tage nach der Operation in die ambulante Weiterbehandlung entlassen und ist seitdem völlig beschwerdefrei.

Schlussfolgerung: Chronische Schmerzsyndrome durch Netzschrumpfung sind selten. Die Problematik der Biokompatibilität der aktuell verwendeten Kunststoffnetze bei der Behandlung von Bauchwandhernien, insbesondere in IPOM-Technik, stellt immer noch eine ernstzunehmende Herausforderung dar.