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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Interdisziplinäre operative Therapie bei Frauen mit familiärem Mammakarzinom/BRCA

Meeting Abstract

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  • Uwe von Fritschen - Helios Klinikum Emil-von-Behring, Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Berlin
  • Isabel Edusey - Helios Klinikum Emil-von-Behring, Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Berlin
  • Stefan Frantzen - Helios Klinikum Emil-von-Behring, Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Berlin

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch722

DOI: 10.3205/11dgch722, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch7226

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 von Fritschen et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Durch die prophylaktische bilaterale Resektion der Brustdrüse kann das Erkrankungsrisiko bei Frauen mit einer genetischen Risikokonstellation für Mammakarzinome um bis zu 95% gesenkt werden. Für die prophylaktische Therapie des familiärem Mammakarzinoms bestehen bislang keine einheitlichen Standards. Hautsparende Verfahren bieten für ein kosmetisch und funktionell ansprechendes Resultat eine wesentlich bessere Ausgangssituation als die modifiziert radikale Mastektomie und erhöhen daher die Akzeptanz. Technisch sind sie jedoch deutlich anspruchsvoller. Zudem ist ein dauerhaft gutes Resultat lediglich mit einer mikrochirurgischen Eigengewebsrekonstruktion zu erwarten.

Material und Methoden: Bei 12 Patientinnen erfolgte die hauterhaltende Drüsenresektion extern in 5 gynäkologischen Kliniken. 6 weitere Patientinnen wurden vollständig durch uns behandelt. Mit 2 Kliniken besteht eine feste Kooperation und interdisziplinärer Austausch. Die Primärrekonstruktion erfolgte bei 16 Patientinnen mit Silikonimplantaten. Die Eigengewebsrekonstruktion wurde bei 2 Patientinnen primär, bei allen anderen im Intervall durchgeführt.

Ergebnisse: Bei 3 extern versorgten Patientinnen traten größere Hautnekrosen auf. Dreimal kam es zu Infektionen des Implantatlagers. Bei 4 Patientinnen musste makroskopisch noch sichtbares Drüsengewebe nachreseziert werden. In 4 Fällen bereitete die zuvor gewählte Schnittführung erhebliche Probleme bei der Rekonstruktion. Kliniken mit fester Kooperation und präoperativer Vorstellung profitierten von einer deutlich schnelleren Lernkurve und zunehmend besser abgestimmten Konzepten.

Schlussfolgerung: Die hauterhaltenden Resektionsverfahren erfordern eine große Erfahrung mit den Grenzbereichen der Gewebeperfusion. Onkologische Radikalität und Schonung der Durchblutung des meist sehr dünnen Haut-Weichteilmantels machen den Eingriff technisch anspruchsvoll. Mit der zunehmenden Trennung der operativen Karzinomchirurgie von der rekonstruktiven Wiederherstellung ist ein interdisziplinärer Abgleich der operativen Techniken erforderlich, um die spätere Rekonstruktion nicht zu erschweren. Die Komplikationsrate und die Qualität der Primärversorgung hat sich bei den festen Kooperationspartnern deutlich schneller verbessert als bei den sonstigen Zuweisern. Die Ergebnisse rechtfertigen den Einsatz des komplexen Verfahrens auch an getrennten Standorten, wenn eine enge Abstimmung über das gewählte individuelle Vorgehen erfolgt. Die offene Kommunikation von Verbesserungspotentialen steigert die Versorgungsqualität deutlich.