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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Prophylaxe der venösen Thromboembolie und ihre Implikation für die Plastische Chirurgie

Meeting Abstract

  • Andreas Jokuszies - Medizinische Hannover Hannover, Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Hannover
  • Andreas David Niederbichler - Medizinische Hannover Hannover, Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Hannover
  • Christian Herold - Medizinische Hannover Hannover, Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Hannover
  • Tomislav Dodic - Friederikenstift Hannover, Klinik für Handchirurgie und Plastische Chirurgie, Hannover
  • Peter Maria Vogt - Medizinische Hannover Hannover, Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Hannover

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch702

DOI: 10.3205/11dgch702, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch7029

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Jokuszies et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Evidenzbasierte Leitlinien zur perioperativen Thromboembolieprophylaxe in der Plastischen Chirurgie existieren in Deutschland bislang nicht. Ältere Patienten mit Komorbiditäten und hieraus resultierendem erhöhten Thromboembolierisiko spiegeln zunehmend das Patientengut in der Plastischen Chirurgie wider. Aus diesem Grund haben wir die aktuelle S3-Leitlinie zur venösen Thromboembolieprophylaxe der AWMF auf ihre Relevanz für die Plastische Chirurgie geprüft und in körperregionsbezogene Eingriffe unterteilt.

Material und Methoden: Basierend auf einer Empfehlung der AWMF zur fachspezifischen Publikation der S3-Leitlinie wurde diese systematisch auf Strategien zur Thrombombolieprophylaxe für die operative Medizin hin analysiert und eine Übertragung auf die Plastische Chirurgie nach körperregionsbezogenen Eingriffen vorgenommen. Ergänzend zur Leitlinienanalyse erfolgte anhand von ausgewählten Stichworten (thrombosis, plastic surgery, prophylaxis, anticoagulation, aesthetic surgery, burns) eine systematische Medline-Recherche zur Thromboembolieprophylaxe in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie. Nach Auswertung der Datenlage wurden die für die Plastische Chirurgie relevanten Empfehlungen unter Berücksichtigung bereits existierender Risikostratifikationen herausgestellt und den jeweiligen körperregionsspezifischen Eingriffen zugeordnet.

Ergebnisse: Allgemeine Basismaßnahmen wie z.B. Frühmobilisation sind ein wirksamer Bestandteil der VTE-Prophylaxe und sollten möglichst routinemäßig zur Anwendung kommen. Spezielle physikalische wie u.a. medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe und/oder medikamentöse Maßnahmen werden individuell und risikoadaptiert eingesetzt. Die Zuordnung des individuellen Gesamt-Risikos für eine VTE zu Kategorien mit niedrigem, mittlerem und hohem Risiko hat sich in der klinischen Routine bewährt. Basismaßnahmen zur VTE-Prophylaxe wie z.B. Frühmobilisation und Bewegungsübungen sollten für Patienten mit niedrigem VTE-Risiko regelmäßig angewendet werden, wobei bei Patienten mit mittlerem und hohem Thromboserisiko additiv eine medikamentöse VTE-Prophylaxe durchgeführt werden sollte. Das Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose wird durch die Gabe gerinnungshemmender Substanzen, insbesondere von Heparinen, um etwa die Hälfte reduziert.

Schlussfolgerung: Vor dem Hintergrund der hohen Prävalenz von tiefen Beinvenenthrombosen in den operativen Fächern bei nicht angewandter Thromboseprophylaxe und unter Berücksichtigung des zunehmenden Risikoprofils plastisch chirurgischer Patienten wird die Notwendigkeit evidenzbasierter Empfehlungen zur Minimierung des venösen Thromboembolierisikos deutlich. Die S3-Leitlinie der AWMF zur venösen VTE-Prophylaxe adressiert dieses implikatorische Vakuum für die Plastische Chirurgie in Deutschland und soll mit dieser Arbeit zugänglich gemacht werden.