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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Vertretbares Blutungsrisiko bei Operationen an den Beckengefäßachsen unter dualer Thrombozytenaggregationshemmung über einen extraperitonealen Zugang

Meeting Abstract

  • Peter Thomas Fellmer - Universitätsklinikum Leipzig, Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Leipzig
  • Annika Werner - Universitätsklinikum Leipzig, Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Leipzig
  • Michael Bartels - Universitätsklinikum Leipzig, Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Leipzig
  • Christoph Benckert - Universitätsklinikum Leipzig, Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Leipzig
  • Sven Jonas - Universitätsklinikum Leipzig, Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Leipzig

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch687

DOI: 10.3205/11dgch687, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch6875

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Fellmer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Chirurgische Eingriffe unter medikamentöser dualer Thrombozytenaggregationshemmung werden gegenwärtig als risikobehaftete Eingriffe im Sinne von Blutungsrisiken gesehen. In der Abwägung zwischen einem zeitlichen Aufschub der Operation versus Akzeptanz des höheren Blutungsrisikos wird überwiegend der erstere Weg gewählt. Die Verhältnismäßigkeit dieser Abwägung erscheint jedoch nicht immer gegeben.

Material und Methoden: In der Zeit von Januar 2009 bis August 2010 wurden insgesamt mindestens 100 Eingriffe an den Beckenachsen über einen extraperitonealen Zugang durchgeführt. In insgesamt 2 Fällen wurde dieser Zugang unter doppelter Thrombozytenaggregationshemmung mit Acetylsalicylsäure und Clopidogrel durchgeführt. Es erfolgte zum einen eine Thrombendarteriektomie der A. iliaca comm. und ext. bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit im Stad. IV sowie zum anderen eine Nierentransplantation bei terminaler Niereninsuffizienz. Die Gabe einer dualen Thrombozytenaggregationshemmung musste 8 Monate bzw. 10 Monate über den Operationstermin hinaus erfolgen. Die Abwägung zur Operation erfolgte zum einen aufgrund von ulcero-phlegmonösen Veränderungen im Fußbereich bzw. aufgrund des drohenden Verlustes eines Dialysezuganges bei multiplem Shuntversagen und high urgency Transplantationsnotwendigkeit. Beide Eingriffe wurden in Allgemeinnarkose durchgeführt. Der extraperitoneale Zugang wird nach klassischer Durchtrennung der Bauchwand und Abschieben des Peritonealsackes bis zur Darstellung der Beckengefäße durchgeführt. Die Eingriffe an den Beckengefäßen erfolgten gemäß der vorbeschriebenen Operationen.

Ergebnisse: Beide Patienten zeigten keine signifikante Nachblutung. Die Drainagenfördermenge nach 48 Stunden betrug 150 bzw. 250 ml Blut. Ein Hämatom im Operationsgebiet konnte mittels Ultraschall ausgeschlossen werden. Die Liegedauer des pAVK-Patienten betrug 12 Tage. Die Liegedauer des Nierentransplantation-Patienten betrug 24 Tage aufgrund einer verzögerten Transplantatfunktion. Beide Patienten zeigten bei Entlassung reizlose Wundverhältnisse.

Schlussfolgerung: Chirurgische Eingriffe im retroperitonealen Raum führen zu überproportional großen Wundflächen aufgrund der Mobilisation des Peritonealsackes. Das Risiko eines Eingriffes unter doppelter Thrombozytenaggregation wird teilweise als hoch bzw. nicht vertretbar gewertet. Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass es sich um ausgesprochen seltene Indikationen handelt, diese jedoch dann mit einem vertretbaren Risiko behandelt werden können.