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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Chronisch subdurales Hämatom – Kleines Trauma, kleiner Eingriff, kaum kognitive Defizite? Neuropsychologisches Leistungsprofil im Vergleich zur spontanen Subarachnoidalblutung und intrazerebralen Blutung

Meeting Abstract

  • Thomas Kapapa - Universitätsklinikum Ulm, Neurochirurgische Klinik, Ulm
  • Christine Brand - Universitätsklinikum Ulm, Neurochirurgische Klinik, Ulm
  • Annette Oechsner - Universitätsklinikum Ulm, Neurochirurgische Klinik, Ulm
  • Bernd Schmitz - Universitätsklinikum Ulm, Sektion Neuroradiologie, Klinik für diagnostische und interventionellen Radiologie, Ulm
  • Hayrettin Tumani - Universitätsklinikum Ulm, Ulm
  • Anna-Katharina Fladung - Universitätsklinikum Ulm, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Ulm
  • Burkhard Alber - Bezirkskrankenhaus Günzburg, Neurologische Klinik, Günzburg
  • Eckhard Rickels - Allgemeines Krankenhaus Celle, Klinik für Neurotraumatologie, Celle
  • Christian Rainer Wirtz - Universitätsklinikum Ulm, Neurochirurgische Klinik, Ulm
  • Dieter Woischneck - Klinikum Landshut, Neurochirurgische Klinik, Landshut

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch409

DOI: 10.3205/11dgch409, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch4095

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Kapapa et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Datenlage über die kognitive Leistung nach chronischen Subduralhämatom ist überschaubar und bezieht sich meist auf Fallberichte und Untersuchungen mit geringer Fallzahl. Hieraus resultiert geringes Wissen über den Nutzen kognitiver Rehabilitationsmaßnahmen nach chronischem Subduralhämatom. Es wird der Vergleich kognitiver Leistungen von Patienten (<66 Jahren) nach chronischen Subduralhämatom und anderer intrakranieller Blutungen (sponate Subarachnoidalblutung und intrazerebraler Blutung) dargestellt.

Material und Methoden: Mittels ausführlicher neuropsychologisher Testbatterie (3–4 Stunden), die u.a. Konzentration, visuelle Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktionen testet, wird die kognitive Leistungsfähigkeit 6 und 12 Monate nach Symptomauftritt und Therapie untersucht. Das Alter der Patienten wird aufgrund der Testbedingungen auf <66 Jahre begrenzt. Die Auswertungen erfolgen gemäß Normkollektiven, Prozenträngen und Fehlerzahlen. Die Korrelation mit klinischen Faktoren erfolgt mittels T-Test, uni- und multivarianten Methoden. Das Signifikanzniveau wird auf p≤0,05 festgesetzt.

Ergebnisse: Es nahmen 15 Patienten mit chronischem Subduralhämatom, 41 Patienten mit spontaner Subarachnoidalblutung und 22 Patienten mit spontaner intrazerebraler Blutung teil. Das mittlere Alter der Patienten betrug 48 bis 55 Jahre.

1.
Für Patienten mit chronischem Subduralhämatom ergeben sich für den ersten Testtermin unterdurchschnittliche Leistungen bei Konzentration, Sorgfalt, Tempo, sprachliche Abstraktionsfähigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit, Umstellfähigkeit sowie Flexibilität.
2.
Am zweiten Testtermin zeigen sich neue Einschränkungen der visuellen Merkfähigkeit sowie weiter bestehende Einschränkung der Konzentration, Sorgfalt und Tempo.
3.
Die kognitiven Defizite von Patienten mit chronischem Subduralhämatom entsprechen am ersten Testtermin denen der anderen Blutungstypen. Die kognitive Plastizität von Patienten mit chronischem Subduralhämatom erweist sich im Vergleich der Blutungstypen jedoch als am geringsten.

Schlussfolgerung: Patienten mit chronischem Subduralhämatom weisen erhebliche kognitive Defizite nach der Therapie auf. Diese sind ohne neuropsychologische Behandlung anhaltend. Bei dem untersuchten Patientenkollektiv unter 66 Jahren bedingt dies erhebliche Einschränkungen im privaten und beruflichen Leben. Die Evaluierung kognitiver Leistungen 3 bis 6 Monate nach Symptomauftritt und Therapie sowie die zielgerichtete kognitive Rehabilitation sind zu empfehlen.