gms | German Medical Science

128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Erarbeitung einer rationalen Indikationsstellung für „prophylaktische“ plastische Weichteildeckungsmaßnahmen in der Knieendoprothesen-Revisionschirurgie

Meeting Abstract

  • David Eschmann - Universitätsmedizin Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim
  • Milan Niks - Universitätsmedizin Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim
  • Udo Obertacke - Universitätsmedizin Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim
  • Ute Schreiner - Universitätsmedizin Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch391

DOI: 10.3205/11dgch391, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch3912

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Eschmann et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: In der Kniegelenks-Revisions-Endoprothetik (KRE) können unterschiedliche patientenabhängige und -unabhängige Faktoren über die Jahre zu mehrfachen Revisionen führen, deren letzte Konsequenz eine mangelnde Weichteildeckung der Endoprothese bei Folgeeingriffen ist. Spätestens bei eingetretener oder akut drohender Komplikation stellt sich die Frage, ob der Verlauf sich nicht durch eine prophylaktische, simultan mit dem Endoprothesenwechsel durchgeführte, plastische Weichteildeckung der Zugangsregion hätte verhindern lassen. Für eine solche Annahme spricht die sekundäre Erfolgsrate von Muskellappenplastiken (MLP) selbst nach bereits eingetretenem Infekt.

Ziel der vorliegenden Studie war es, anhand der eigenen klinischen Daten einen Algorithmus zu entwickeln, anhand dessen sich die Entscheidungsfindung zur simultanen MLP bei KRE-OP rational machen lässt.

Material und Methoden: Das eigene Patientenkollektiv (n=140; 2008–2009) der KRE wurde ausgewertet hinsichtlich der allgemeinen Komplikationshäufigkeit sowie unabhängiger Faktoren, welche Wundheilungsstörungen, Infektionen und kurzfristige Revisionen nach KRE begünstigen (n=40). Eine Literaturanalyse erfolgte ergänzend zu speziellen Fragestellungen.

Aus den o.g. Daten wurde ein Kriterienkatalog gebildet, welcher das o.g. Risiko rational prognostiziert. Die weitere Analyse führte dann zum Vorschlag eines Schnittpunktes (x/Summe Kriterien), ab dem eine prophylaktische weichteildeckende MLP bei notwendiger KRE-OP ausreichend begründet erscheint (>10% Wahrscheinlichkeit):

1.
Geschlecht,
2.
„außerplanmäßig“ anstehende Revisions-OP (ohne schicksalhaften Aufbrauch),
3.
bereits mehrere offene Operationen am Kniegelenk,
4.
Wundheilungsstörung oder Infekt bei einem Voreingriff,
5.
Ruhigstellungsphase (Orthese, Spacer, Fixateur) nach einem der Voreingriffe,
6.
Ausweitung des Situs beim aktuellen Eingriff wahrscheinlich.

Schlussfolgerung: Alle Patienten des eigenen Kollektivs, bei denen bei KRE mit postoperativ aufgetretenen Komplikationen eine MLP erforderlich wurde (n=6), erfüllten mind. 4 Punkte. Bei >3 positiven Punkten sollte eine simultane MLP bei der geplanten KRE erwogen werden. Bei zunehmender Zahl der Endoprothetik und Revisionsendoprothetik bestehen Qualitätsanforderungen an die Sicherheit der Verfahren, aber es besteht auch die Notwendigkeit, die Grenzen einer Versorgung prospektiv rational zu bestimmen – gerade, wenn die Konsequenz, wie die MLP, invasiv ist.