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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Entscheidungskriterien zur Defektdeckung bei Dekubitalulcera

Meeting Abstract

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  • Klaus Exner - St. Markus-Krankenhaus, Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt am Main

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch389

DOI: 10.3205/11dgch389, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch3896

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Exner.
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Gliederung

Text

Einleitung: Dekubitalulcera treten bei bettlägerigen, bewegungseingeschränkten oder rollstuhlpflichtigen Patienten auf. Bevorzugte Lokalisationen sind über dem Os sacrum, Trochanter major oder dem Tuber ischiadicum, wobei die Pathogenese der Entstehung meist eine Kombination aus Druck, Weichteilschaden, Durchblutungseinschränkung und Infekt ist.Bei einem sacralen Dekubitus liegt ein Knocheninfekt des Os coccygeum vor, ein Dekubitus über dem Tuber ischiadicum ist mit einer eitrigen Bursitis verbunden. Die Ursache des Dekubitus über dem Trochanter ist eine Kombination aus einer Bursitis, ein Druckulkus sowie eine Osteitis. Unterschiedliche Lokalisationen der Dekubitalulcera erfordern unterschiedliche Defektdekungen.

Material und Methoden: Unser Patientenkollektiv umfasst 200 Patienten, die im Zeitraum von 10 Jahren an unserer Klink behandelt wurden.Bei einem sacralen Dekubitus wird unterschieden ob eine Geh-, eine Sitzfähigkeit des Patienten vorliegt oder dieser bettlägerig ist. Zunächst erfolgt die Infektsanierung und schließlich der Weichteilverschluß durch die Bildung eines Weichteilpolsters. Hier bildet an unserer Klinik der Gluteallappen die 1. Wahl.Bei einem Sitzbeindekubitus sollte zunächst geklärt werden, ob eine Sensibilität ab Th12/L1 vorliegt. Ist diese vorhanden, hat die Verwendung des TFL – Lappens für uns die höchste Priorität, um eine sensible Defektdeckung zu erzielen. Ansonsten kann eine Hamstring – Lappenplastik als Muskelvorschub – oder Umkipplappen durchgeführt werden.Im Falle eines Dekubitus über dem Trochanter major steht uns der TFL – Lappen oder lokale fasziocutane Lappenplastiken zur Verfügung.

Ergebnisse: Bei allen Patienten konnte ein vollständiger Verschluß erziehlt werden, wobei 79% primär abheilten und 21% postoperative Wundheilungsstörungen entwickelten. Von den 42 Patienten lag bei 10 Patienten eine Durchblutungsstörung der Lappenplastik vor. In 15% der Fälle trat eine Wundheilungsstörung im Bereich der Hebestelle auf, die durch mehrfache Spülungen und einer hochkalorischen Ernährung schließlich zur Heilung geführt werden konnten. Bei 2 Patienten waren postoperative Nachblutungen aufgetreten.

Schlussfolgerung: Zur Defektdeckung stehen uns unterschiedliche Lappenplastikenzur Verfügung.Entsprechend der Situation des Patienten sollte eine sensible Lappenplastik oder eher eine Weichteilpolsterung erfolgen. Dennoch sollte in der Therapie der Dekubitalulcera auch die katabole Situation des Patienten bedacht werden und durch eine adäquate Nahrung und Gabe von Vitaminen, Spurenelemente und Ausgleich der Elektolyte ergänzt werden.