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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Effektive Therapie von Protheseninfekten mit tiefer Vene als Bypassmaterial – eine retrospektive Analyse

Meeting Abstract

  • Udo Lorenz - Zentrum für Operative Medizin, Universitätsklinik Würzburg, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirugie, Würzburg
  • Daniela Richwien - Zentrum für Operative Medizin, Universitätsklinik Würzburg, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirugie, Würzburg
  • Christoph Bühler - Zentrum für Operative Medizin, Universitätsklinik Würzburg, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirugie, Würzburg
  • Richard Kellersmann - Zentrum für Operative Medizin, Universitätsklinik Würzburg, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirugie, Würzburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch269

DOI: 10.3205/11dgch269, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch2697

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Lorenz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Bei bis zu 6% aller alloplastischen Gefäßrekonstruktionen ist mit dem Auftreten eines tiefen Protheseninfekts zu rechnen. In der Literatur werden Behandlungsstrategien mit teilweise sehr unterschiedlichen Ansätzen zur Infektsanierung diskutiert. Die ideale chirurgische Handlungsoption existiert bisher nicht.

Material und Methoden: Zur Evaluation der tiefe Vene als Gefäßersatz nach Bypassexplantationen wurden in einer retrospektiven Analyse die Krankenverläufe von 22 Patienten ausgewertet, die aufgrund eines tiefen Protheseninfektes in unserer Klinik zwischen 2004 und 2008 behandelt worden waren. In der überwiegenden Anzahl der Fälle waren Protheseninfekte nach aortoiliacalen und iliacofemoralen Rekonstruktion aufgetreten. Die wichtigsten Verursacher für eine Infektion des Prothesenmaterials waren S. aureus in 44% mit einer MRSA-Rate von 30% sowie Pseudomonaden und Salmonellen in 9% der Fälle. In 27% konnte kein positiver Bakteriennachweis geführt werden.

Ergebnisse: Nach gesicherter Diagnose durch den klinischen Verlauf und Computertomographie wurde präoperativ immer eine Phlebographie zur Prüfung der Durchgängigkeit des tiefen Venensystems durchgeführt. Die Entfernung sämtlichen alloplastischen Materials mit gleichzeitigem autologem, orthotopem oder extraanatomischem Venenersatz kam als Therapieoption zur Anwendung. Eine erfolgreiche Infektsanierung ohne Reinfektion konnte bei 16 Patienten (73%) erreicht werden. Bei 4 von diesen Patienten (13%) waren mehr als 3 Revisionseingriffe notwendig. Die Vena femoralis superficialis wurde beidseits bei 5 Patienten (31%) ohne eine Zunahme der Begleitmorbidität entnommen. Die Gesamtmortalität betrug 27%. Die Offenheitsrate nach autologem Venenersatz beträgt 100%. Eine PTA einer anastomosenassoziierten Stenose im Bereich der A. iliaca communis war in einem Fall im Verlauf notwendig.

Schlussfolgerung: Die besten Ergebnisse im vorliegenden Krankengut wurden durch die komplette Entfernung sämtlichen alloplastischen Materials und ein- oder beidseitige Rekonstruktion durch autologen Venenbypass oder extraanatomischen Bypass erreicht. Die tiefe Beinvene ist aufgrund ihrer natürlichen Infektresistenz und des großen Gefäßquerschnitts insbesondere für die aortoiliacale bzw. aortofemorale Rekonstruktion in der Infektsituation ein nicht zu unterschätzendes Bypassmaterial.