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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Elektrophysiologischer Nachweis iatrogener N. axillaris Affektionen nach winkelstabiler Plattenosteosynthese bei proximalen Humerusfrakturen über anterolateralen Deltasplit

Meeting Abstract

  • Stephan Woischnik - Waldkrankenhaus Bad Düben, Fachklinik für Orthopädie, Bad Düben
  • Daniela Adolf - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Biometrie, Magdeburg
  • Helmut Feistner - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Klinik für Neurologie, Magdeburg
  • Stephan Winckler - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Klinik für Unfallchirurgie, Magdeburg
  • Stefan Piatek - Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Klinik für Unfallchirurgie, Magdeburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch195

DOI: 10.3205/11dgch195, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch1959

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Woischnik et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Bei proximalen Humerusfrakturen ist die winkelstabile Plattenosteosynthese anerkannt. Als chirurgischer Zugang steht u. a. der sogenannte Deltasplit-Zugang zur Verfügung. Neben potentiellen Vorteilen wird diesem Zugang allerdings ein erhöhtes Risiko an iatrogenen Nervus axillaris Affektionen und damit verbunden, eine Schädigung der Deltamuskel-Innervation nachgesagt.

Material und Methoden: Im Zeitraum 2005-2008 wurden 80 Patienten mit proximaler Oberarmfraktur mittels winkelstabiler Platte versorgt. 46 von 80 Patienten wurden retrospektiv nachuntersucht (42x Deltasplit, 4x deltoideopectoral). Es bestanden folgende Fraktursituationen: 9 x NEER III, 21 x NEER IV, 7 x NEER V, 4 x NEER VI, 2 x headsplit Frakturen, 3 x Schaftfrakturen mit Kopfkomponente. Zur funktionellen Einschätzung wurde der CM-Score ermittelt. Zusätzlich erfolgte eine elektrophysiologische Untersuchung mittels EMG, NLG und cervicaler Magnetstimulation.

Ergebnisse: In der Gruppe der über den Deltasplit versorgten Patienten wurden 28 (70%, CM-Score Ø 72,1) Normalbefunde in der elektrophysiologischen Untersuchung verifiziert. 7 Patienten (17,5%, CM-Score Ø 79,2) zeigten diskrete neurogene Schäden in der Innervation des Muskels ohne neurogenen Umbau, 4 Patienten (10%, CM-Score Ø 56,1) zeigten eine partielle neurogene Schädigung in der Muskelinnervierung mit neurogenem Umbau. Eine Patientin (2,5 %, CM-Score 51,2) zeigte eine vollständige Denervierung des M. deltoideus mit Neurotmesis des N. axillaris. Hinsichtlich des funktionellen Ergebnisses zeigte sich kein signifikanter Unterschied im CM-Score zwischen den Gruppen mit Normalbefund und den Gruppen mit pathologischen Befunden. Einschränkend muss hier gesagt werden, dass bei den biometrischen Berechnungen die Gruppen mit neurogenem Umbau und die Gruppe mit Denervierung zu klein waren. Bei einem größerem Patientenkollektiv wäre ein signifikanter Unterschied nicht auszuschließen.

Schlussfolgerung: Affektionen des N. axillaris waren beim anterolateralen Deltasplit in unserer Serie mit 19% relativ häufig. EMG Veränderungen am M. deltoideus fanden sich bei 32,5%. Dies lässt sich durch das operative Vorgehen mit stumpfer Muskeldissektion des M. deltoideus erklären. Ein signifikanter Unterschied hinsichtlich des funktionellen Ergebnisses findet sich nicht.