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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Wie kann die Prognose von multimorbiden Patienten mit chronisch therapierefraktären Wunden und Decubitalulcera verbessert werden?

Meeting Abstract

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  • Christina Luther - Markuskrankenhaus, Klinik für Plastische Chirurgie, Frankfurt am Main
  • Steffen Baumeister - Markuskrankenhaus, Klinik für Plastische Chirurgie, Frankfurt am Main
  • Klaus Exner - St. Markus-Krankenhaus, Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt am Main

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch159

DOI: 10.3205/11dgch159, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch1598

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Luther et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Standard der operativen Therapie von chronischen Ulcera ist das chirurgische Debridement mit anschließender plastischer Deckung durch Hauttransplantation, lokale oder freie Lappenplastiken. Aufgrund der zunehmenden Multimorbidität und höherem Alter der Patienten zeigte sich in den letzten Jahren eine erhöhte Rate an Wundheilungsstörungen mit verlängerter Hospitalisationszeit. Bei Überprüfung der möglichen Ursachen fiel auf, dass bei den meisten Patienten ein schwerer Proteinmangel vorlag. Dies veranlasste uns bei diesen Patienten ein präoperatives Ernährungsscreening durchzuführen.

Hypothese: Eine chronische Proteinenergiemangelernährung bedingt: Erhöhung der Morbidität, Mortalität, postoperative Komplikationen. Es resultieren: Verringerte Immunkompetenz, verzögerte Wundheilung, Muskelabbau mit kardialen und respiratorischen Problemen, Immobilität, Verlängerung der Hospitalisationszeit, hohe Kosten im Gesundheitswesen.

Material und Methoden: Bei Patienten mit Decubitalulcera (n=11) und chronisch therapierefraktären Ulcera (n=12) wurden die präoperativen Werte nutritionsrelevanter Plasmaproteine: Albumin, Hämoglobin, CRP und der Body Mass Index (kg/m2) evaluiert, die Rate an Wundheilungsstörungen analysiert und die Indikation zur Ernährungstherapie überprüft. Zur Identifikation von Risikopatienten wurde der Innsbruck Nutritionsscore verwendet.

Ergebnisse: Das Durchschnittsalter der 23 Patienten (8 m, 15 w) betrug 72 Jahre. Bei 20 Patienten (87%) lag ein Proteinmangel (15 schwer, 5 mäßig) vor (Serumalbumin = 2368 mg/dl, Gesamteiweiß: 5,5 g/dl, Serumharnstoff/Serumkreatinin: 55,7 Hämoglobin: 10,6 g/dl, CRP 44,7 mg/l, BMI 28,1) mit Indikation zur Ernährungstherapie. 13 Patienten (57 %) entwickelten Wundheilungsstörungen; 8 von 11 Decubituspatienten (73%), 5 von 12 Patienten mit chronischen Ulcera (42%). Bei den Decubituspatienten betraf dies 3 von 4 Glutaeusinsellappen, 3 von 5 Fasziokutanlappen, 2 von 2 Spalthauttransplantationen, bei den Ulcera: 2 von 3 Fasziokutanlappen, 2 von 2 Sekundärnähten, 2 von 2 Spalthauttransplantationen.

Schlussfolgerung: Bei multimorbiden Patienten mit chronisch therapierefraktären Wunden korreliert ein Proteinmangel mit einer erhöhten Rate an Wundheilungsstörungen nach plastischer Deckung. Durch ein präoperatives Routineernährungsscreening können Risikopatienten erfaßt und durch eine interdisziplinäre Ernährungstherapie optimal auf die Operation vorbereitet werden. Dies senkt das Morbiditätsrisiko und kann zur Verbesserung der Prognose beitragen.