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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Langzeit-Lebensqualität nach multimodaler Therapie beim Rektumkarzinom

Meeting Abstract

  • Susanne Merkel - Universitätsklinikum Erlangen, Chirurgische Klinik, Erlangen
  • Marie-Therese Villanueva - Universitätsklinikum Erlangen, Chirurgische Klinik, Erlangen
  • Werner Hohenberger - Universitätsklinik Erlangen/Nürnberg, Chirurgische Klinik mit Poliklinik, Erlangen
  • Heinz Becker - Universitätsklinikum Erlangen, Chirurgische Klinik, Erlangen
  • Hans-Rudolf Raab - Universitätsklinikum Erlangen, Chirurgische Klinik, Erlangen
  • Claus Rödel - Universitätsklinikum Erlangen, Chirurgische Klinik, Erlangen
  • Rolf Sauer - Universitätsklinikum Erlangen, Chirurgische Klinik, Erlangen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch051

DOI: 10.3205/11dgch051, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch0512

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Merkel et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die deutsche Multicenter-Studie CAO/ARO/AIO-94, deren Patienten zwischen 1995 und 2002 rekrutiert wurden, verglich die Prognose von Patienten mit neoadjuvanter und adjuvanter Radiochemotherapie (RCT). Im neoadjuvanten Therapiearm war bei geringerer Toxizität die 5-Jahres-Lokalrezidivrate signifikant niedriger als im adjuvanten Therapiearm (6% vs. 13%). Bezüglich des Überlebens war jedoch kein Unterschied festzustellen (76% vs. 74%). Nach median 11 Jahren wurde die Lebensqualität der noch lebenden Patienten verglichen. Patienten im adjuvanten Therapiearm, die keine adjuvante Therapie erhielten, bildeten eine dritte Vergleichsgruppe.

Material und Methoden: Von 799 Patienten waren 2010 mittlerweile 333 (41,7%) verstorben und 24 aus der Nachbeobachtung verloren gegangen (3,0%). 347 (78,5%) der 442 lebenden Patienten beantworteten bisher die Fragen der EORTC-Lebensqualitätsbögen: 185 Patienten nach neoadjuvanter RCT, 106 Patienten nach adjuvanter RCT und 56 Patienten aus dem adjuvanten Therapiearm, die wegen Overstaging, postoperativer Komplikationen oder Ablehnung keine RCT erhalten hatten. Das mediane Alter der 231 Männer und 116 Frauen betrug 71 Jahre (43-88 Jahre).

Ergebnisse: Bei den bisher erfolgten Auswertungen fanden sich signifikant unterschiedliche Beurteilungen in den Bereichen soziale Funktion, Diarrhoe, Obstipation, fäkale Inkontinenz, Blähungen, Peinlichkeit der Stuhlgänge, Körperbild und Sexualfunktion des Mannes. Dabei zeigten sich die günstigeren Werte in der Gruppe der Patienten ohne RCT, gefolgt von den Patienten mit neoadjuvanter RCT. Patienten mit adjuvanter RCT gaben die schlechtesten Werte an.

Eine detaillierte Darstellung, die auch den Einfluss der Operationsmethode und die Höhenlokalisation der Karzinome berücksichtigt, ist vorgesehen.

Schlussfolgerung: Multimodale Therapieverfahren können bei Patienten mit Rektumkarzinom die Lokalrezidivrate senken. Die Indikation zur Radiochemotherapie ist nach evidenzbasierten Kriterien zu stellen, da sie im Vergleich zur alleinigen Operation mit einem höheren Risiko einer langfristigen Verminderung der Lebensqualität insbesondere hinsichtlich Darm- und Sphinkterfunktion, aber auch der Sexualfunktion verbunden ist. Allerdings ist bekannt, dass das Lokalrezidiv die Lebensqualität am stärksten negativ beeinflusst und die Lokalrezidivrate durch eine neoadjuvante Therapie signifikant zu senken ist.