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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Sonographie bei Leistenhernien – eine neue morphologische Klassifikation als Alternative zu „watchful waiting“

Meeting Abstract

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  • Helmar Gai - Klinik Fleetinsel Hamburg, Allgemein- und Gefäßchirurgie, Hamburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch450

DOI: 10.3205/10dgch450, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch4500

Veröffentlicht: 17. Mai 2010

© 2010 Gai.
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Gliederung

Text

Einleitung: Seit der Publikation von FITZGIBBONS 2007 gilt „watchful waiting“ bei asymptomatischen Patienten als Alternative zur Standard OP-Indikation bei Leistenhernien. Und dies – obwohl im ersten Jahr des Beobachtungszeitraumes 2 Notfalloperationen notwendig wurden. Durch präoperative Sonographie lassen sich 3 Hernientypen unterscheiden, die morphologisch eine Einschätzung des Inkarzerationsrisikos erlauben.

Material und Methoden: In den letzten 16 Jahren haben wir an unserem Zentrum mehr als 7.000 Hernien operiert. In allen Fällen wurde präoperativ eine standardisierte Sonographie durchgeführt. Es konnten morphologisch 3 Hernientypen identifiziert werden: Typ A: einfache Beule, Typ B: Röhrenform und Typ C: Sanduhrform (Abbildung 1 [Abb. 1]). Vom 1.1.2002–31.12.2007 wurden die Ultraschallbefunde von 3.183 Patienten in Korrelation gesetzt zum Hernientyp und asymptomatisch oder symptomatisch. Asymptomatischen Patienten mit einer Typ A oder B Hernie wurde konservatives Vorgehen angeboten, bei Typ C wurde auch bei Symptomfreiheit zur OP geraten.

Ergebnisse: 24% Typ A Hernie, 57% Typ B, 19% Typ C. Nahezu die Hälfte der Patienten mit der Beulenform (Typ A) waren asymptomatisch. Bei der am häufigsten vorkommenden Röhrenform waren dies nur noch 11%, bei der nach unserer Einschätzung gefährlichsten Sanduhrform Typ C 0,3%. Der Vorschlag zum konservativen Vorgehen wurde von 425 Patienten angenommen, 146 Patienten wollten trotz Beschwerdefreiheit operiert werden. 2 asymptomatische Patienten mit Typ C Hernie wurden auf unsere Empfehlung hin operiert. In keinem Fall wurde eine Notfalloperation notwendig.

Schlussfolgerung: Präoperative Sonographie mit Klassifizierung des Hernientyps erlaubt eine sichere Einschätzung des Inkarzerationsrisikos und stellt als bildgebendes Verfahren eine echte Alternative zum reinen „Abwarten“ bei asymptomatischen Hernien dar.