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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Calcitonin-produzierende endokrine Pankreastumore – eine seltene Differenzialdiagnose zum medullären Schilddrüsenkarzinom

Meeting Abstract

  • Ralph Schneider - Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Volker Fendrich - Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Detlef Klaus Bartsch - Philipps- Universität Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland
  • Katja Schlosser - Universitätsklinikum Gießen-Marburg, Marburg, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Marburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch017

DOI: 10.3205/10dgch017, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch0177

Veröffentlicht: 17. Mai 2010

© 2010 Schneider et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Calcitonin (CT) ist ein spezifischer Marker für die Detektion medullärer Schilddrüsenkarzinome. Eine Erhöhung des Serum-CT findet sich jedoch auch bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel bei neuroendokrinen Pankreastumoren (NPT). Die vorliegende Studie diente der Analyse von typischen Symptomen, therapeutischen Maßnahmen und der Prognose von Patienten mit CT-produzierenden NPT.

Material und Methoden: Die Akten von Patienten der eigenen Klinik sowie Fallberichte nach einer Literatursuche über Medline (bis 08/2009), inklusive Handsearch, wurden hinsichtlich der Symptome, CT-Werte, Vorhandensein von Metastasen, operativen und adjuvanten Therapiemaßnahmen sowie Ergebnissen von Nachuntersuchungen in einer Datenbank gesammelt und analysiert.

Ergebnisse: Es konnten 37 Patienten (59% Frauen, 41% Männer) ausgewertet werden. Das mittlere Alter bei Diagnosestellung betrug 58 Jahre. Die häufigsten Symptome waren wässrige Durchfälle (53%), Bauchschmerzen (36%) und Gewichtsverlust (33%). Das CT bei Aufnahme betrug das 89-fache des oberen Normbereiches. In 54% (20 Patienten) der Fälle lag zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine Lebermetastasierung vor. In 68% (25 Patienten) erfolgte eine Resektion des Primärtumors (7 Enukleationen, 6 Whipple-OPs, 12 Pankreaslinksresektionen) mit oder ohne Entfernung von Lebermetastasen. Zwei Patienten verstarben perioperativ, ein weiterer innerhalb der mittleren Nachbeobachtungszeit von 34 Monaten. Von 12 Patienten, bei denen keine Tumorresektion erfolgte, verstarben 6 nach durchschnittlich 11 Monaten an einem Tumorprogress.

Schlussfolgerung: Bei Vorliegen von abdominellen Symptomen, Gewichtsverlust und exzessiv erhöhten CT-Werten muss auch an das Vorliegen eines CT-produzierenden NPT gedacht werden. Ergänzend zur Schilddrüsensonographie sollte eine Bildgebung des Abdomens erfolgen. Selbst bei Vorliegen von Lebermetastasen kann durch die Resektion des Primärtumors eine Lebensverlängerung erreicht werden.