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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Wie hat sich die Therapie von Leistenhernien in den letzten 15 Jahren verändert? Erfahrungen aus über 2.100 Hernienreparationen

Meeting Abstract

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  • corresponding author J.P. Ritz - Chirurgische Klinik I, Charité, Campus Benjamin Franklin, Berlin
  • J.C. Lauscher - Chirurgische Klinik I, Charité, Campus Benjamin Franklin, Berlin
  • H.J. Buhr - Chirurgische Klinik I, Charité, Campus Benjamin Franklin, Berlin

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11124

DOI: 10.3205/09dgch238, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch2383

Veröffentlicht: 23. April 2009

© 2009 Ritz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Zwei Entdeckungen haben die Leistenhernienchirurgie in den letzten zwei Dekaden revolutioniert: der Einsatz alloplastischen Materials seit den 80er und die Einführung der laparoskopischen Leistenhernienchirugie in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Unter ökonomischen Zwängen im deutschen Krankenhauswesen hat sich die Versorgung der Leistenhernie in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Ziel dieser Studie war es daher, die Entwicklung der operativen Verfahren, der Krankenhausverweildauer und der Rate an Rezidivoperationen in einem Universitätsklinikum über 15 Jahre zu dokumentieren und dessen Hintergründe zu analysieren.

Material und Methoden: In die Studie eingeschlossen wurden alle Patienten, bei denen von 01/94–06/08 eine uni- oder bilaterale Leistenhernie in unserer Klinik versorgt wurde. Die Auswertung der Patientendaten erfolgte durch ein prospektives Online-Datenerfassungssystem.

Ergebnisse: Von 01/94–06/08 wurden 1.908 Patienten (1.715 Männer; 193 Frauen) mit 2.124 Leistenhernien im Alter von 11–97 Jahren (Durchschnitt 56,8 Jahre) operiert. Die Zahl der stationär operierten Patienten erreichte mit n=135 in den vergangenen 18 Monaten den niedrigsten Stand. Die mittlere präoperative Verweildauer sank von 2,4 Tagen 1994 auf 0,4 Tage I/2008; die mittlere postoperative Verweildauer von 7,0 Tagen 1994 auf 3,3 Tage I/2008. Im Durchschnitt wurden 14,9% Rezidivhernien (9,2–24,3 %) operiert, der Anteil der Rezidivhernien erreichte in den vergangenen 18 Monaten mit 21,6% den höchsten Stand der vergangenen 15 Jahre. Die laparoskopischen OP-Verfahren lösten ab 1996 (n=96 vs. n=61) die konventionellen Nahtverfahren als die führenden Verfahren zur Hernienversorgung ab, wobei die TEP ab 1996 die früher eingeführte und auch in unserer Klinik zunächst präferierte TAPP sukzessive verdrängte. Seit 1999 dominierte die TEP: es wurden in jedem Jahr ungefähr gleich viele TEPs durchgeführt wie alle anderen Reparationsverfahren zusammen. Erst I/2008 gab es gleich viele Hernienreparationen mittels TEP vs. Lichtenstein (jeweils n=15).

Schlussfolgerung: 1) In den vergangenen 15 Jahren hat sich die prä- und postoperative Verweildauer- auch auf Grund ökonomischer Erwägungen- bei Leistenhernienreparationen sukzessive relevant verringert. 2) Der Anteil an operierten Rezidivhernien ist trotz Einführung alloplastischer Materialien im langjährigen Mittelwert mit 14,9% unverändert hoch und in den letzten 18 Monaten nochmals gestiegen. 3) Der zuletzt auffällige Anstieg konventioneller Reparationsverfahren zugunsten minimal invasiver Techniken ist am ehesten auf einen Anstieg multimorbider Patienten und komplizierter Hernien (Rezidivhernien und Skrotalhernien) zurückzuführen.