gms | German Medical Science

126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Fußballspiel mit septischen Folgen. Oder: Manchmal sind Kinder eben doch "kleine Erwachsene"!

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author S. Böhrensen - Kinderchirurgische Abteilung der Universitätsklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
  • M.M. Kaiser - Kinderchirurgische Abteilung der Universitätsklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11285

DOI: 10.3205/09dgch172, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch1728

Veröffentlicht: 23. April 2009

© 2009 Böhrensen et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Die nekrotisierende Fasziitis (NF) ist eine in erster Linie im Erwachsenenalter vorkommende, oftmals foudroyant verlaufende Haut- und Weichteilinfektion bakterieller Genese. Fälle im Neugeborenenalter, insbesondere im Zusammenhang mit einer Omphalitis, Balanitis, Mastitis puerperalis oder fetalem Monitoring sind beschrieben worden. Unterschieden wird der Typ I (Syn.: Polymikrobielle Gangrän), hervorgerufen durch eine häufig anaerob/aerobe Mischflora, vom extrem selten vorkommenden Typ II (Syn.: Streptokokken Myositis, 1–2/Million Erwachsene/Jahr), hervorgerufen durch Streptococcus pyogenes bei Patienten mit vorhandenem Risiko-MHC II Allotyp, mit häufig letalem Ausgang im septischen Schock und Multiorganversagen (Letalität bis zu 80%).

Material und Methoden: Wir berichten von einem Fall von NF Typ II, der – unserer Literaturrecherche nach – noch nie im Kindesalter beschrieben wurde. Unser 14jähriger Patient war seit 5 Monaten wegen der klinischen und serologischen Verdachtsdiagnose einer juvenilen, rheumatoiden Polyarthritis (bekannte MHC II Allotypen - Assoziation) mit Naproxen behandelt worden. Drei Tage nach einem Bagatelltrauma (Sturz beim Fußball auf die linke Hüfte) stellte sich der Patient mit grippeähnlichen Symptomen sowie blutig tingiertem Erbrechen, Durchfall und Makrohämaturie bei leicht geschwollener und bewegungseingeschränkter Hüfte in unserer Notaufnahme vor.

Ergebnisse: Ein MRT zeigte dann die typischen Zeichen einer gangränösen Myositis (DD nekrotisierende Fasziitis) im Bereich des Oberschenkels, so dass wir umgehend die großzügige Eröffnung des linken Oberschenkels mit großflächigem Wunddebridement durchführten. Die Isolierung von Streptococcus pyogenes aus Blutkultur, Wundabstrich und Muskelbiopsat gelang und bewies die NF Typ II. Durch die Kombination aus geplanten Revisionsoperationen, der Gabe von PSE-Antitoxin und einer aggressiven antibiotischen Breitbandtherapie gelang eine Restitutio ad integrum.

Schlussfolgerung: Die Erkrankung der NF ist eine Rarität im Kindesalter. In unserem Fall muss eine Bahnung durch die Gabe von Naproxen und das Vorhandensein der Risikofaktoren in Erwägung gezogen werden. Entscheidend ist die klinische Diagnosestellung, sofortige weiterführende Diagnostik und die aggressive Therapie wie im Erwachsenenalter.