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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Die Frühphase des postoperativen Ileus bei der Maus ist durch eine Hypersensibilität für Bradykinin charakterisiert

Meeting Abstract

  • corresponding author M.H. Müller - Chirurgische Klinik-Großhadern, LMU, München, Deutschland
  • M. Karpitschka - Institut für chirurgische Forschung, LMU, München, Deutschland
  • B. Xue - Institut für chirurgische Forschung, LMU, München, Deutschland
  • M.S. Kasparek - Chirurgische Klinik-Großhadern, LMU, München, Deutschland
  • J. Glatzle - Chirurgische Klinik, Uiversität Tübingen, Deutschland
  • A. Sibaev - Medizinische Klinik II, LMU, München, Deutschland
  • K.W. Jauch - Chirurgische Klinik-Großhadern, LMU, München, Deutschland
  • M.E. Kreis - Chirurgische Klinik-Großhadern, LMU, München, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9080

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch677.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Müller et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der postoperative Ileus (POI) ist durch verschiedene neuronale und immunologische Pathomechanismen charakterisiert, deren wechselseitige Interaktion unklar ist. Wir stellten die Hypothese auf, daß in der frühen Phase des POI neuronale Mechanismen im Vordergrund stehen. Ziel der vorliegenden Studie war es, die afferente Nervenfaseraktivität in der Frühphase des POI direkt zu messen, um Veränderungen der afferenten Sensibilität zu identifizieren.

Material und Methoden: Der POI wurde bei narkotisierten C57Bl6 Mäusen durch eine standardisierte Dünndarmmanipulation nach Laparotomie ausgelöst. Bei Kontrolltieren erfolgte eine Scheinoperation. In verschiedenen Subgruppen wurden 1 h, 3 h und 9 h nach Darmmanipulation ein 2 cm langes Jejunumsegment entnommen (je Subgruppe n=6). Anschließend wurde die afferente Sensibilität in vitro als "multi-unit" elektrophysiologische Ableitung an einem paravaskulären Nerven des Mesenteriums gemessen. Die maximale Impulsrate nach serosaler Applikation von Bradykinin (1µM) wurde aufgezeichnet und als Mittelwert ± SEM ausgewertet. Simultan erfolgte die Aufzeichnung der Darmmotilität durch intraluminale Druckmessung. Die statistische Auswertung erfolgte mittels One-Way-ANOVA und nachfolgendem posthoc Dunnett´s test.

Ergebnisse: Die maximale Impulsrate am afferenten Nerven nach Darmmanipulation war nach serosal appliziertem Bradykinin 61±6 impsec-1 nach 1 h, 217±25 impsec-1 nach 3 h und 217±6 impsec-1 nach 9h. Dies war erhöht im Vergleich zur Zunahme der maximalen afferenten Impulsrate bei Kontrolltieren nach Scheinoperation, die 46±3 impsec-1 nach 1 h, 57±10 impsec-1 nach 3h und 140±13 impsec-1 nach 9 h betrug (alle P<0.05). Die maximalen Amplituden der phasischen Kontraktionen in den Jejunumsegmenten bei Ileus waren im Vergleich zu den scheinoperierten Kontrolltieren vermindert (0,8±0,2cmH2O vs. 5±0,8 cmH2O nach 1h, 1,7±0,5 cmH2O vs. 5±1,2 cmH2O nach 3h, 0,7±0,3 cmH2O vs. 4,2±0,9 cmH2O; alle P<0.05)

Schlussfolgerung: Die vorliegende Studie liefert den direkten Nachweis einer Sensibilisierung afferenter Nervenfasern für den Schmerzmediator bereits während der Frühphase des postoperativen Ileus. Diese Sensibilisierung könnte zu einer verstärkten neuronalen Aktivierung mit reflektorischer Hemmung der Darmmotilität zu Beginn des postoperativen Ileus beitragen.

Gefördert durch das Programm für Forschung und Lehre (FöFoLe) der medizinischen Fakultät LMU München Reg Nr. 414.