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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Der Komabegriff in der Versorgung des Polytraumas

Meeting Abstract

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  • corresponding author D. Woischneck - Neurochirurgische Abteilung der Universitätsklinik Ulm, Ulm, Deutschland
  • T. Kapapa - Neurochirurgische Abteilung der Universitätsklinik Ulm, Ulm, Deutschland
  • E. Rickels - Neurochirurgische Abteilung der Universitätsklinik Ulm, Ulm, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9475

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch670.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Woischneck et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: In den Algorithmen zur Versorgung des Polytraumas bildet die Bewusstseinslage des Patienten einen Scheidepunkt: Indikationen zu Intubation, Beatmung, stationärer Weiterverlegung und Kraniotomie werden am Komaeinttritt festgemacht. Die Frage der Verschiebung vital nicht indizierter Operationen auf einen späteren Zeitpunkt wird über die Komatiefe beantwortet. Die vorgelegte Studie quantifiziert das Phänomen unterschiedlicher Komadefinitionen in der Polytraumaversorgung.

Material und Methoden: 100 Notfall- und Intensivmediziner wurden über ihre individuellen Komadefinitionen und Handlungsrichtlinien bei Komaeintritt anhand eines Fragebogens um Auskunft gebeten.

Ergebnisse:

1.
Alle Befragten intubieren beim Eintritt eines Komas, 80% beatmen in dieser Situation immer.
2.
Für 55% der Befragten besteht fälschlicherweise beim Vorliegen gezielter Schmerzabwehr kein Koma.
3.
Bei einem Glasgow Coma Score (GCS) von 8 besteht für 100% der Befragten fälschlicherweise immer ein Koma.
4.
Der GCS wird systematisch nicht entsprechend den Originalvorschriften bestimmt, ohne dass dieses den Befragten bewusst ist.
5.
Begriffe wie Somnolenz, Stupor oder Sopor werden verwandt, ohne dass eine einheitliche Definition vorliegt.
6.
Die Handlungsdirektiven, die sich aus den Begriffen Somnolenz, Stupor oder Sopor ergeben, sind extrem variabel und nicht mehr kategorisierbar.

Schlussfolgerung: Die Bedeutung des Komaeintritts als Handlungsrichtlinie beim Polytrauma wird allgemein akzeptiert. Dem Handeln im Notfall liegen allerdings völlig uneinheitliche Komadefinitionen zugrunde. Hierbei sind auch GCS-Werte keine verlässliche Lösung, da die angewandten Kodierungsvorschriften nicht denen der Originalliteratur entsprechen. Zur Verwirrung führt die Verwendung der Begriffe Somnolenz, Stupor und Sopor, da diese völlig uneinheitlich gebraucht werden und keine Algorithmen existieren, die auf ihnen basieren.