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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Das geriatrische Polytrauma

Meeting Abstract

  • corresponding author S. Wurm - BG-Unfallklinik Murnau, Murnau, Deutschland
  • A. Woltmann - BG-Unfallklinik Murnau, Murnau, Deutschland
  • O. Gonschorek - BG-Unfallklinik Murnau, Murnau, Deutschland
  • V. Bühren - BG-Unfallklinik Murnau, Murnau, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch8797

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch663.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Wurm et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Bei einer zunehmenden Zahl älterer mobiler Menschen nimmt auch die Zahl älterer polytraumatisierter Patienten zu, so dass wir uns mit der Morbidität und Mortalität des geriatrischen Polytraumas an der eigenen Klinik beschäftigt haben.

Material und Methoden: In einer prospektiven Analyse wurden anhand des DGU-Schwerverletztenregisters die Verläufe der Schwerverletzten unter 60 mit denen zwischen 60 -74 sowie über 74 Jahren verglichen. Eingegangen wurde hierbei auf-Verletzungsmechanismus-verletzte Körperregion-Verletzungsschwere (ISS)-Komplikationen während des stationären Aufenthaltes-Outcome.

Ergebnisse: Zwischen 1/2000 und 12/2005 gingen insgesamt 1435 polytraumatisierte Patienten in die Studie ein. Davon waren 988 (68,9%) unter 60 (Gruppe J), 293 (20,4%) zwischen 60 und 74 (Gruppe M) und 154 (10,7%) über 74 Jahre (Gruppe A) alt.Während in J über die Hälfte (60,1%) als Verkehrsteilnehmer verunfallte, kam es bei 40,3% in A zum Polytrauma durch (häusliche) Stürze. Insofern waren in J Schädel-, Wirbelsäulen-, Becken-, Thorax- und Extremitätenverletzungen mit jeweils 50 und 60% etwa gleich häufig, wohingegen in A die Schädelverletzung mit 72,7% die mit Abstand häufigste Verletzung war.Der durchschnittliche ISS war mit 27,4 in J am höchsten (Ausdruck des Hochrasanztraumas), wohingegen er in M mit 23,9 und in A mit 23,7 ungefähr gleich war.In A zeigte sich eine deutlich erhöhte Komplikationsrate mit 50%, wobei die mit Abstand häufigste Komplikation die Pneumonie bzw. respiratorische Insuffizienz (25%) war. Weitere häufige Komplikationen waren Hirndruckanstieg bzw. cerebrales Kreislaufversagen (9,2%) sowie Multiorganversagen (11,8%).Während in J 68,8% und in M immerhin noch 62,2% gut bis mäßig erholt entlassen werden konnte, waren es in A nur noch 38,7%. Die Mortalität lag in J bei 8,4% und in M bei 12% und stieg dann in A sprunghaft auf 35,1% an.

Schlussfolgerung: Es hat sich gezeigt, dass die Mortalität bei älteren polytraumatisierten Patienten mit 35,1% wesentlich höher war als in der jüngeren Vergleichsgruppe, obwohl der Durchschnitts-ISS nur bei 23,7 lag. Die typische Komplikation war die Pneumonie, wobei deren Auftreten bei Vorliegen einer schweren Schädelverletzung signifikant erhöht war. Die Mortalität und das Outcome waren in erster Linie von der Art der Verletzung abhängig; der entscheidende Unterschied zwischen den Überlebenden und den Verstorbenen war die Schwere der Kopfverletzung. Vorerkrankungen und der ISS hatten für das Outcome der Älteren keine wesentliche prognostische Bedeutung.