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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Metabolische Chirurgie - Kosteneffizienz der Adipositaschirurgie beim Diabetes mellitus Typ II

Meeting Abstract

  • Y. Endter - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt, Deutschland
  • B. Huber - Technische Hochschule Magebburg, Gesundheitsökonomie, Mageburg, Deutschland
  • S. Weiner - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt, Deutschland
  • G. Weigand - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt, Deutschland
  • corresponding author R. Weiner - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9316

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch603.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Endter et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der Diabetes mellitus Typ II ist eng mit Übergewicht und Adipositas vergesellschaftet. Durch operative Maßnahmen kann der Diabetes mellitus therapeutisch günstig beeinflusst und bei kurzzeitiger Krankheitsdauer beseitigt werden. Es stellt sich hier sofort die Frage, inwieweit die operative Intervention bei Adipositas und Diabetes Typ II eine höhere Kosteneffizienz aufweist, als konservative Behandlungen.

Material und Methoden: Aus einem Patientengut von1768 morbid Adipösen wurden die Daten von 384 Diabetikern Typ II analysiert, die sich zwischen 2001 und 2007 einer operativen Maßnahme zur Gewichtsreduktion haben unterziehen lassen. Es handelte sich dabei um 224 Frauen und 160 Männer. Der mittlere Hba1c-Wert lag bei 7,4 und die klinisch erfasste Krankheitsdauer im Mittel 4,3 Jahre (2 Monate bis 24 Jahre). 118 Patienten waren dauerhaft auf Insulin eingestellt. Alle übrigen hatten eine medikamentöse Therapie oder nur kurzzeitig eine Insulinbehandlung. Die Patienten wurden prä- und postoperativ hinsichtlich ihrer Insulineinstellung und Medikation überprüft. Es wurden ausschließlich die Kosten der direkten Diabetes-Behandlung erfasst. Indirekte Kosten durch Neben-und Folgeerkrankungen wurden ausgeschlossen. Bei der Hochrechnung für die Langzeit_Kosten wurde postuliert, dass es in den Folgejahren zu keiner Verschlechterung des Diabetes kommt, was bekanntermaßen nicht der Realität entspricht.

Ergebnisse: Die postoperative Verlaufskontrolle der diabetischen Patienten macht deutlich, dass es bei Patienten, die eine Krankheitsdauer von weniger als 15 Jahren aufweisen, zu einer drastischen Verbesserung der Stoffwechselsituation kommt. Der Hba1c-Mittelwert fällt innerhalb von 6 Monaten von 7,4 g/l auf 5,8 g/l. Die fallenden Glukosespiegel machen eine ständige Anpassung der Medikation notwendig, die bei über 92 % der Patienten in einer völligen Einstellung der medikamentösen Therapie endet. Von 118 Insulin-pflichtigen Patienten benötigen nach einem Monat 44 Patienten, und nach 6 Monaten nur noch 11 Patienten eine Insulintherapie, jedoch in weitaus geringer Dosierung. Ein Diabetes mit weniger als 12 monatiger Therapiedauer kann durch operative Verfahren mit Duodenalexklusion (Magenbypass, Duodenalswitch, biliopankreatische Diversion) innerhalb von wenigen Wochen vollständig beseitigt werden.Gewichtsreduktionen mit dem Magenband und Schlauchmagenbildung führen ebenfalls zu einer deutlichen Verbesserung der Stoffwechselsituation, wobei hier der Gewichtsverlust allein der entscheidende Faktor darstellt.

Schlussfolgerung: Die Kombination von Adipositas Grad II/III und metabolischem Syndrom ist eine therapeutische Herausforderung, die derzeit nur von interventionellen chirurgischen Verfahren gemeistert werden kann. Die operative Behandlung des Diabetes mellitus Typ II ist individuell und volkswirtschaftlich um ein Vielfach ökonomisch effektiver als eine medikamentöse oder Insulintherapie unter dem Ziel der Euglykämie. Es kann angenommen werden, dass 1-2 Milliarden € für Insulinbehandlungen pro Jahr in Deutschland zu viel ausgegeben werden, die durch operative Interventionen eingespart werden könnten. Die Kalkulationen der kleinen Serie macht deutlich, um welche volkswirtschaftlichen Dimensionen es geht. Adipositaschirurgie ist metabolische Chirurgie.