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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Kostendeckung – Ein erreichbares Ziel für Notfallstationen?

Meeting Abstract

  • M. Rüdiger - Universitätsspital Basel, Institut für chirurgische Forschung und Spitalmanagement
  • A. Prengel - Universitätsspital Basel, Institut für chirurgische Forschung und Spitalmanagement
  • corresponding author U.M. Rieger - Universitätsspital Basel, Institut für chirurgische Forschung und Spitalmanagement
  • M. Heberer - Universitätsspital Basel, Institut für chirurgische Forschung und Spitalmanagement

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9039

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch574.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Rüdiger et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Im schweizerischen Gesundheitssystem wird die ambulante Versorgung nach Einzelleistungsvergütung abgegolten, die stationäre Behandlung wird nach Tagespauschalen vergütet. Notfallstationen (NFS) sind der erste Anlaufpunkt sowohl für einen grossen Anteil der stationär als auch für einen Grossteil der ambulant behandelten Patienten. Die Entscheidung einen Patienten stationär aufzunehmen wird oft auf der NFS getroffen. Vor diesem Hintergrund war die Frage der folgenden Studie, ob die Vergütung für die Behandlung ambulanter Patienten auf der NFS kostendeckender ist, als die Vergütung für stationäre Patienten.

Material und Methoden: In einer prospektiven Observationsstudie vom 21.02.2005 bis zum 21.03.2005 auf der Notfallstation des Universitätsspitals Basel wurden Patientendaten wie Alter, Geschlecht, Zeitpunkt der ambulanten oder stationären Erfassung, Aufenthaltsdauer (ambulant/ stationär), und stationäre oder ambulante Behandlung erfasst. Aus der Abrechnungsdatenbank wurden Kosten- und Ertragsdaten entnommen und durch Differenzbildung die Kostendeckung bestimmt. Subgruppen wurden nach Alter, Geschlecht, Versicherungsklasse, Emergency Severity Index, Aufenthaltsdauer und Fachgebiet analysiert. Die Kosten-/ Ertragsdaten wurden für stationäre Patienten für den gesamten Krankenhausaufenthalt berechnet, nicht nur für die Zeitdauer des Notfallstationsaufenthalts. Ambulanter oder stationärer Patientenstatus wurde aus dem Klinikinformationssystem ermittelt.

Ergebnisse: Unsere Studie umfasst 2603 Fälle. Für 2525 Patienten waren finanzielle Daten verfügbar, davon waren 1694 (67 %) Patienten ambulant und 831 (33 %) stationär. Insgesamt verursachten diese Patienten Kosten in Höhe von 12.4 Millionen Schweizer Franken (Sfr), was einem Durchschnitt von 4910 Sfr pro Patient entspricht. Die Einnahmen betrugen 8.7 Millionen Sfr, was einem Defizit von 3.7 Millionen Sfr für die über die NFS eingetretenen Patienten entspricht. Sowohl für die ambulanten als auch für die stationären Patienten waren die Einnahmen geringer, als die verursachten Kosten. Für eine Subpopulation von 398 Patienten waren die Kosten geringer als die von der Versicherung erstatteten Beträge. Die übrigen 2127 Patienten trugen zum Defizit bei. Der Kostendeckungsgrad war für stationäre Patienten besser (71 %), als für ambulante Patienten (56 %).

Schlussfolgerung: Unter dem jetzigen Vergütungssystem waren die Einnahmen für den Grossteil der Patienten der Notfallstation nicht kostendeckend. Ambulante Patienten, mit einer Abgeltung nach Einzelleistungsvergütung, waren weniger kostendeckend, als stationäre Patienten. Die NFS hat einen kantonal verankerten Versorgungsauftrag sowohl für den Kanton Basel-Stadt als auch einen überregionalen Versorgungsauftrag als Zentrumsspital der Nordwestschweiz, das finanzielle Defizit wird bisher vom Kanton getragen. In wieweit der Versorgungsauftrag mit gleicher Qualität bei geringeren Kosten wahrgenommen werden kann, ist Gegenstand von Diskussionen und sollte im Rahmen der Prozessoptimierung evaluiert werden.