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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Der Single Nucleotide Polymorphismus von IL-1B-511 erhöht das Risiko von atrophischer Gastritis und intestinalem Magenkarzinom bei H. pylori infizierten Patienten in Peru

Meeting Abstract

  • corresponding author S. Gehmert - Klinik für Allgemein-, Viszeral- u. Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg, Deutschland
  • F. Meyer - Klinik für Allgemein-, Viszeral- u. Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg, Deutschland
  • B. Velapatino - Asociacion Benefica PRISMA, Lima, Peru
  • P. Herrera - Asociacion Benefica PRISMA, Lima, Peru
  • J. Cok - Department of Pathology, Universidad Peruana Cayetano Heredia, Lima, Peru
  • G. Vasquez - Department of Gastroenterology, Faculty of Medicine, Universidad Peruana Cayetano Heredia, Lima, Peru
  • J. Combe - Department of Gastroenterology, Faculty of Medicine, Universidad Peruana Cayetano Heredia, Lima, Peru
  • S. Wen - Department of Biostatistics, University of Texas, MD Anderson Cancer Center, Houston, TX, USA
  • R. H. Gilman - Department of International Health, The John Hopkins Bloomberg School of Public Health, Baltimore, Maryland, USA

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch8880

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch390.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Gehmert et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das proinflammatorische Interleukin(IL)-1ß und sein korrespondierender Rezeptor IL-1RN spielen eine entscheidende Rolle bei der mucosalen Inflammation im Rahmen einer H.- pylori- Infektion. Polymorphismen im IL-1RN Gen und in der Promotor- Region von IL-1B-511 haben eine veränderte IL- Produktion zur Folge und führen zu einem verminderten intragastralen pH. Das ZIEL der Studie war es zu untersuchen, ob diese spezifischen „Single-Nucleotide“- Polymorphismen ( SNP ) mit einem erhöhten Magenkarzinom(Ca)risiko in Peru einhergehen, da Peru i) eine hohe Prävalenz der H.- pylori- Infektion, ii) eine hohe jährliche Inzidenz von Magen- Ca und iii) einen gemischten genetischen Pool in der Bevölkerung durch Immigration von Europäern, Asiaten, Nord-amerikanern und Amerindern aufweist.

Material und Methoden: Humane DNA wurde aus Magenbiopsien von Patienten mit intestinalen Magen-Ca (n=101), diffusen Magen-Ca (n=51) mit chronisch- atrophischer Gastritis (n=42) und mit oberflächlicher als auch tiefer Gastritis (n=148, Kontrolle) extrahiert und mittels spezifischer Primer für IL-1B und IL-1RN durch PCR amplifiziert. Die Auftrennung erfolgte auf einem 2-% Agarosegel für IL-1RN direkt und für IL-1B nach Restriktionsenzymsverdau mit AvaI. Eine H.- pylori- Infektion wurde mittels PCR, Urease- Test, Kultur und Histopathologie nachgewiesen.

Ergebnisse: In der untersuchten Population zeigte sich, dass der homozygote Genotype des IL-1B-511 C Alleles signifikant häufiger bei chronisch- atrophischer Gastritis (P=0,004) und intestinalem Magen-Ca (P=0,007) auftrat als bei Patienten mit nicht- atrophischer Gastritis. Damit verbunden war ein knapp 3- fach erhöhtes Risiko für ein intestinales Magen- Ca (OR = 2,83; 95% CI 1,03-7,81) wohingegen das Risiko für eine chronisch- atrophische Gastritis um das fast 6- fache anstieg (OR = 5,79, 95%- CI: 1,76-19,04). Die Assoziation zwischen diesem Single- Nucleotide- Polymorphismus und dem erhöhten Risiko sowohl für das intestinale Magen- Ca als auch für die chronisch- atrophische Gastritis, war nur bei Patienten mit manifester H.- pylori- Infektion für ein Magen- Ca zu finden. Im Vergleich dazu zeigte sich keine Assoziation zwischen dem IL-1RN- Polymorphismus und einem erhöhten Risiko, weder für das Magen- Ca noch der chronisch- atrophischen Gastritis.

Schlussfolgerung: Der IL-1B- C/C- Genotyp ist mit einem erhöhten Risiko sowohl für die chronisch- atrophische Gastritis als auch für das Magen- Ca in Peru verbunden. Die H.- pylori- abhängige Risikoerhöhung für das Magen- Ca macht folgendes deutlich:- Eine Individuum- spezifische Immunantwort aufgrund eines SNP in einem proinflammatorischen Gen hat einen Einfluss auf den Verlauf einer Infektion mit H. pylori und kann zu einem Magen- Ca prädestinieren. In Studien mit Kaukasiern wurde das T- Allel mit einem erhöhten Magen- Ca- Risiko in Verbindung gebracht. Die vorliegenden Ergebnisse korrelieren mit Studien aus Asien, was auf eine populationsabhängige Assoziation hindeutet (Immigration von Asiaten und Amerindern u.a. in Peru). Damit wird die Wichtigkeit vergleichender molekularbiologisch- epidemiologischer Studien deutlich, um Risikofaktoren in einer Population zu identifizieren.