gms | German Medical Science

125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Eine standardisierte Methode zur Bestimmung des relativen „Angiogenesepotentials“ von Wirkstoffen am Chorioallantoismembran Modell bezogen auf die Angiogeneseinduktion vom VEGF

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author R. Demir - Chirurgische Klinik der Universität Erlangen
  • W. Hohenberger - Chirurgische Klinik der Universität Erlangen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9342

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch388.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Demir et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Das Chorioallantoismembran (CAM) ist ein anerkanntes Modell, welche zur qualitativen Beschreibung von Angiogeneseeigenschaften von Wirksoffen herangezogen wird. Bei Durchsicht der Literatur ist festzustellen, dass zwar das Modell gleich benannt wird aber die Handhabung sowie die Auswertung sehr variiert. Die Arbeiten sind miteinander nicht vergleichbar und eine Aussage über ein quantitatives Angiogenesepotential (AP) eines Wirkstoffes kann nicht gemacht werden. In der vorliegenden Arbeit ist eine mögliche standardisierte Handhabung und Auswertung des CAM-Modells beschrieben, die es zulässt einem Wirkstoff ein relatives quantitatives Angiogenesepotential im negativen oder im positiven Sinne in Bezug auf die Angiogeneseinduktion vom VEGF zuzuschreiben.

Material und Methoden: Befruchtete Hühnereier (White-Leghorn) n = 20 wurden für den Versuchzweck verwendet. Die Eier wurden am 9ten Bebrütungstag (BT) am stumpfen Pol, am Luftblässchen eröffnet. Anschließend wurde ein Ring (Durchmesser: 5mm, Höhe 3mm) aus PVC auf die CAM gelegt. Das geöffnete Ei wurde mit einem Deckglas verschlossen. Am 10ten BD wurden nun folgende Wirkstoffe jeweils 13-15μl in den Ring mit einer Pipette appliziert. 1. Kontollgruppe (n=8): NaCl , 2. Angiogeneseinduktion (n=5) durch rekombinant hergestelltes humanes VEGF165 500ng. 3. Rekombinant hergestelltes humanes VEGF-Antikörper (n=7) (Bavacizumab: Avastin®) 350μg. Nach fünf Tagen wurden Fotoaufnahmen in standardisierter Vergrößerung durchgeführt. 1mm Linien wurden jeweils vertikal und horizontal gezogen. Die Kreuzungsstellen mit den Gefäßen (Vascular Intersectiones: VIS) wurden gezählt und jeweils die Anzahl vertikal mit horizontal multipliziert. Somit wurde die Gefäßdichte pro 1mm2 bestimmt und als Maß für das Angiogeneseverhalten gewertet. Als Formel für das Angiogenesepotential wurde festgelegt: 1+ {ΔVIS [Wirkstoff] – ΔVIS [VEGF]} / ΔVIS [VEGF]

Ergebnisse: Für die Kontrollgruppe wurde eine natürliche Steigerung der Gefäßdichte am 15ten BT im Vergleich zur 10BT von 8±3 VIS/mm2 auf 20±4 VIS/mm2 festgestellt. Nach Applikation von VEGF konnte eine Steigerung der Gefäßdichte auf 31±13 beobachtet werden. Die natürliche Steigerung der Gefäßdichte bis zum 15ten BT wurde durch eine einmalige Applikation des VEGF-Antikörpers gehemmt (5±2 VIS/mm2). Somit ist das AP: 1+ {(VIS [Avastin®] - VIS [Kontrolle]) - (VIS [VEGF] – VIS [Kontrolle])} / (VIS [VEGF] – VIS [Kontrolle]) =1 + {(5-20) - (31-20)} / (31-20) = -1,36. Mit Avastin® (350μg) wird also ein AP von –1,36 erreicht, d.h. es wird eine Angiogenesehemmung mit einem Faktor von 1,36 beobachtet, wenn die Angiogenseinduktion von VEGF (500ng) als 1 angenommen wird.

Schlussfolgerung: Die Handhabung des Eies wird durch den Zugang am stumpfen Pol erleichtert. Das Benützen eines Ringes und Einsetzen des Ringes einen Tag vor der Wirkstoffgabe ermöglicht, dass der Ring sich in die CAM einnisten und die zu applizierende Lösung innerhalb des Ringes bleiben kann. Somit ist immer eine definierte Fläche der CAM dem Wirkstoff ausgesetzt. Somit wird der CAM außerdem eine Zeitspanne eingeräumt, in der sie sich von der Manipulation erholen kann. Die Ergebnisse machen deutlich, dass das Modell für die Bestimmung eines relativen AP eines Wirkstoffes im Vergleich zu VEGF eignen kann. Eine endgültige Etablierung des Modells mit der richtigen Interpretation der Ergebnisse kann natürlich nur über eine höhere Anzahl an Versuchen und Einsetzen unterschiedlicher Wirkstoffe mit unterschiedlicher Dosierung erreicht werden.

Abbildung 1 [Abb. 1]