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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Versuch der Entwicklung eines Ausbildungscurriculums für angehende Viszeralchirurgen sowie realistische Analyse des vorgesehenen Zeitplans

Meeting Abstract

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  • corresponding author L. Schiffmann - Chirurgische Universitätsklinik Rostock
  • S. Eisold - Chirurgische Universitätsklinik Rostock
  • E. Klar - Chirurgische Universitätsklinik Rostock

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9133

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch294.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Schiffmann et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Während bisher die Basis der Chirurgischen Weiterbildung und Spezialisierung das Erreichen des Facharztes für Allgemeinchirurgie war, wird es durch die Änderung der Weiterbildungsordnung nur noch in wenigen Fällen zur Weiterbildung zum Allgemeinen Chirurgen und vielmehr zu einer Zunahme der Spezialisten kommen. Bisher waren neben dem Nachweis von fachlichen Kenntnissen in Bezug auf Transfusionen, Sonographie und Intensivmedizin 387 chirurgische Eingriffe erforderlich. Nach der neuen Weiterbildungsordnung hat sich die Anzahl der erforderlichen Eingriffe für angehende Viszeralchirurgen auf 740 Eingriffe erhöht. Zusätzlich wurde eine jährliche Kontrolle mittels Gespräch mit dem Ausbildungsleiter sowie das Führen eines Logbuches eingeführt.

Material und Methoden: Es wird der Versuch der Strukturgebung der Chirurgischen Weiterbildung dargestellt. Es stellt die Anforderung, eine strukturierte, nachvollziehbare und realistische Zeiteinschätzung der Ausbildung zum Viszeralchirurgen an einer Chirurgischen Universitätsklinik dar. Dabei soll das Curriculum so gegliedert werden, dass durch das schrittweise Heranführen des Auszubildenden die Lernkurve extrem flach und kurz bleibt und damit ein Maximum an Befriedigung des Weiterzubildenden und ein gutes Ergebnis für die Patienten und letztendlich für die Klinik erreicht wird.

Ergebnisse: : Die Ausbildung gliedert sich in den 2-jährigen Common Trunk der Chirurgie und die 4 jährige spezielle Weiterbildung zum Viszeralchirurgen. Während der ersten 2 Jahre erfolgt unter Supervision die Vermittlung der Patientenführung sowie das Begreifen Chirurgischer Krankheitsbilder. Es wird 1 Jahr auf der Station und jeweils 6 Monate auf der Intensivstation und im ambulanten Bereich abgeleistet. Während dieser Zeit muss mit der Vermittlung ALLER konservativen Inhalte begonnen und diese weitestgehend abgeschlossen werden. O-perativ erfolgt das Heranführen an die Chirurgischen Fertigkeiten durch die Assistenz von kleineren Eingriffen – insbesondere im Dienst - wie Abszeßspaltungen, Wundversorgungen inkl. Spalthaut, Vakuumverbänden, Portimplantationen und –explantationen sowie Appendek-tomien. Während der speziellen Weiterbildung werden die notwendigen Zahlen vervollstän-digt im jeweiligen Weiterbildungsjahr zwingend mit den folgenden operativen Inhalten begonnen: 3. lap. Galle, konv. Hernienversorgung, Staginglaparoskopie, 4. Einschub der Endoskopie 5. lap. Hernien, konv. Kolonchirurgie, Magen- und Leber-PE, Schilddrüsenresektionen; 6. lap. Sigma, Magen- und Ösophagusresektionen, Leberoperationen, lap. Fundoplikatio und Rektumoperationen, Pankreasresektionen. An Universitäten kann sich ein weiteres Jahr zur schwerpunktmäßigen Durchführung von Forschungsprojekten oder zur Sicherung konservativer Versorgungsnotwendigkeiten einfügen und so die Weiterbildung auf 7 Jahre verlängern. Eine wesentliche Schwierigkeit ist der Zeitaufwand zur Durchführung der Eingriffe. Zur Durchführung der Eingriffe sind unter Ausschluss von Endoskopie und Sonographie nach unseren durchschnittlichen Operationsdauern inkl. Lagerung 1557 Stunden notwendig. Nach Abzug von einem Jahr für Endokopie und Sonographie sowie einem Freizeitausgleich von 5 Stunden pro Woche für Bereitschaftsdienste entspricht dieses einem Anteil von 35,6% der täglichen Arbeitszeit im verbleibenden 3 Jahreszeitraum der speziellen Weiterbildung. Ohne den Freizeitausgleich für Bereitschaftsdienste beträgt der Anteil 30,2% der täglichen Arbeitszeit, bei vier Jahren 22,7%.

Schlussfolgerung: Nur durch die strukturelle und kontrollierte Weiterbildung anhand eines Curriculums kann die Weiterbildung zum Viszeralchirurgen nach der Reform der Weiterbildungsordnung erfolgen. Durch die hohe Eingriffszahl ist die Durchführung aufgrund des resultierenden Zeitaufwandes für die Operationen des Weiterzubildenden unrealistisch im vorgesehenen Zeitrahmen durchzuführen. Ohne striktes verlängertes Curriculum wird die Anzahl der angehenden Chirurgen in den kommenden Jahren stark zurückgehen und ein Nachwuchsproblem entstehen.