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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Bei Tumor der Bauchdecke auch an Hämatom denken – der besondere Fall

Meeting Abstract

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  • corresponding author M.K. Weiß - Abteilung für Kinderchirurgie der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg
  • C.M. Meier - Abteilung für Kinderchirurgie der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg
  • M. Schilling - Abteilung für Kinderchirurgie der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9555

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch253.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Weiß et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die möglichen Ursachen für abdominelle Schmerzen sind vielfältig und reichen von akuten Infektionen über traumatische Ursachen bis hin zu Tumoren unterschiedlicher Genese und Dignität. Im Rahmen differentialdiagnostischer Untersuchungen bei einer Patientin mit abdominellen Schmerzen bei tumoröser Raumforderung kam es letztlich zu einer überraschenden Diagnose.

Material und Methoden: Wir berichten über ein 13-jähriges Mädchen, das aufgrund abdomineller Schmerzen im rechten Unterbauch zum Ausschluss einer Appendizitis in einem peripheren Krankenhaus aufgenommen wurde. Bei unklarer Symptomatik wurde eine Computertomographie des Abdomens durchgeführt, bei der sich im rechten Unterbauch ein hypodenser Tumor von 7,6 cm x 8,5 cm Größe mit umschriebenen Fettanteilen zeigte. Aufgrund des Befundes erfolgte die Verlegung ins Universitätsklinikum. Eine konsiliarische gynäkologische Untersuchung ergab keinen Hinweis auf die Tumordignität. Bei einer laparoskopischen Exploration fand sich kein Tumor. Sie zeigte jedoch eine, sich in die Bauchhöhle vorwölbende, Schwellung scheinbar flüssigen Inhaltes, am ehesten einem Hämatom der Bauchdecke entsprechendund und eine deutliche Einblutung der angrenzenden Darmanteile. Radiologisch ergab sich nach weiterer kernspintomographischer Diagnostik der Verdacht auf ein Neoplasma, Teratom oder Myxom. Die nochmals vertiefte Anamnese ergab, dass im Schulunterricht beim Geräteturnen, ca. 8 Wochen zuvor, ein Sturz auf den Bauch vorgefallen war. Eine ärztliche Vorstellung sei nicht erfolgt.

Ergebnisse: Die Gerinnungsdiagnostik ergab einen Faktor-VII-, Faktor-XIII-Mangel sowie eine Thrombozytenfunktionstörung. Nach Optimierung der Gerinnungsfaktoren erfolgte unter Substitutionsbereitschaft die operative Exploration der rechten lateralen Bauchwand. Es fand sich retroperitoneal eine große, eingeblutete zystische Struktur, die bis ins kleine Becken reseziert wurde. Die histopathologische Untersuchung ergab den Befund eines Hämatoms im Sinne von ausgeprägt eingeblutetem, zum Teil regressiv verändertem Fettgewebe. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Die Patientin ist seither beschwerdefrei.

Schlussfolgerung: Die Differentialdiagnostik uncharakteristischer Raumforderungen ist schwierig, die verschiedenen bildgebenden Verfahren sind hierbei hilfreich. Bis zum eindeutigen Beweis des Gegenteiles bei unklarer Dignität ist immer auch eine Neoplasie in Betracht zu ziehen. Das therapeutische Vorgehen sollte daher bedacht, gegebenenfalls auch radikal sein. Bei unklarer Tumorgenese sollte jedoch die Differentialdiagnose eines traumatisch bedingten Hämatomes im Rahmen einer Gerinnungsstörung ebenfalls diskutiert und in Betracht gezogen werden.