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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Hat die akute Appendizitis im Kindesalter einen genetischen Hintergrund?

Meeting Abstract

  • corresponding author G. Fitze - Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus, Technische Universität Dresden
  • I. Römer - Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus, Technische Universität Dresden
  • I.R. König - Institut für Medizinische Biometrie und Statistik, Universität Lübeck
  • D. Roesner - Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus, Technische Universität Dresden
  • H.K. Schackert - Abteilung Chirurgische Forschung, Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus, Technische Universität Dresden

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch8839

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch113.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Fitze et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Appendektomie ist eine der häufigsten Operationen im Kindesalter mit einem Altersgipfel im 10. Lebensjahr. Die Ätiologie der Appendizitis wird als multifaktoriell angesehen, jedoch ist die resultierende Inflammation Folge eines Sekretstaus im Lumen der Appendix vermiformis. Es wird postuliert, dass diese wiederum auf Störungen der Motilität auf der Grundlage einer gestörten Innervation beruhen können. Außerdem wird eine familiäre Häufung von Appendizitiden beobachtet. Dies legt die These nahe, dass die Appendizitis eine angeborene, genetisch determinierte Prädisposition hat. Eine typisch kindliches Krankheitsbild mit einer Motilitätsstörung des Darms auf der Basis einer Innervationsstörung ist der Morbus Hirschsprung, der hauptsächlich auf Mutationen im RET-Protoonkogen beruht. Daraus leiten wir die Hypothese ab, dass das RET-Protoonkogen ebenfalls eine Bedeutung für die Ätiologie der Appendizitis hat.

Material und Methoden: Von 264 Kindern, die sich zwischen 2000 und 2002 in unsere Klinik einer Appendektomie unterzogen haben, wurden klinische und histologische Daten erhoben sowie aus den histologischen Präparaten eine somatische DNA-Probe isoliert. Als genetischer Marker wurde in dieser Population der c.135G<A Polymorphismus des RET-Protoonkogens untersucht. Außerdem konnte in einer Subpopulation von 46 Kindern mit einer histologisch bestätigten Appendizitis DNA aus Lymphozyten des peripheren Blutes isoliert werden. In dieser Population wurde die gesamte kodierende Region des RET-Protoonkogens untersucht. Als Kontrollpopulation dienten 47 Personen älter als 20 Jahre, die sich bisher keiner Appendektomie unterzogen hatten.

Ergebnisse: Unter den 264 Patienten zeigt sich eine Überrepräsentation der c.135A Variante in der Population mit einer ulcero-phlegmonösen bzw. perforierten Appendizitis im Vergleich zur katarrhalischen Appendizitis bzw. zur Kontrollpopulation. Außerdem ist ebenfalls eine Überrepräsentation dieser Variante bei den Jungs bzw. den Patienten mit einer positiven Familienanamnese zu sehen. Diese Daten zeigen jedoch keine statistische Signifikanz. Durch die Untersuchung der kodierenden Region des RET-Protoonkogens bei 46 Kindern mit einer histologisch bestätigten Appendizitis wurde bei sechs Kindern (13 %) eine Keimbahnmutation identifiziert. Dagegen konnte bei 47 Kontrollindividuen keine Keimbahnmutation nachgewiesen werden.

Schlussfolgerung: Obwohl die Genese der Appendizitis einen heterogenen Hintergrund zu haben scheint, gibt es Anhaltspunkte, die eine genetische Prädisposition stützen. Durch unsere Studie sind erstmals molekulargenetische Faktoren im Zusammenhang mit dem Auftreten einer akuten Appendizitis untersucht worden, wobei der Nachweis von Keimbahnmutationen im RET-Protoonkogen bei 13 % der Patienten eine Bedeutung dieses Gens für die Genese der Appendizitis impliziert. Diese Mutationsfrequenz entspricht annähernd der bei Patienten mit einem Morbus Hirschsprung, wobei klinisch bei unseren Appendizitis-Patienten kein Anhalt für das Vorliegen eines Morbus Hirschsprung zu erkennen war. Dieses Phänomen ist im Sinne einer phänotypischen Heterogenität bei inkompletter Penetranz zu interpretieren.