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125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

22. - 25.04.2008, Berlin

Postoperative Schlafstörungen nach peripheren Gefäßrekonstruktionen können Komplikationen induzieren - eine prospektiv-randomisierte Studie

Meeting Abstract

  • corresponding author N. Aramin - Sektion Gefäßchirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Mannheim, Mannheim, Deutschland
  • P. Schulte - Lungenfachklinik Hemer, Abteilung für Pneumologie, Hemer, Deutschland
  • R. Widyaningsih - Sektion Gefäßchirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Mannheim, Mannheim, Deutschland
  • S. Rewerk - Sektion Gefäßchirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Mannheim, Mannheim, Deutschland
  • F. Herrle - Sektion Gefäßchirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Mannheim, Mannheim, Deutschland
  • S. Post - Sektion Gefäßchirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Mannheim, Mannheim, Deutschland
  • M. Niedergethmann - Sektion Gefäßchirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Mannheim, Mannheim, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22.-25.04.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgch9158

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2008/08dgch096.shtml

Veröffentlicht: 16. April 2008

© 2008 Aramin et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die genaue Rolle des Schlafs in der postoperativen Homöostase ist weitgehend unbekannt. Anhand von EEG (Elektrocephalogramm), EOG (Elektrookluogramm), und EMG (Elektromyogramm) lassen sich vier verschiedene Phasen einteilen (Wachzustand 10 %, Leichtschlaf 50 %, Tiefschlaf 20 %, REM 20 %). Die Abfolge dieser Phasen, Schlafarchitektur, ist wichtig für die Regeneration und wird durch operative Eingriffe erheblich gestört. REM-Schlafentzug führt zu psychischer Labilität und wird in den darauf folgenden Nächten (REM-Rebound) kompensiert, was zu hypoxischen Ereignissen führen kann. Die Narkoseform führt per se nicht zu Schlafstörungen, vielmehr sind der chirurgische Stress, Umgebungsfaktoren, postoperative Medikamente und Patientenalter ursächlich für postoperative Schlafstörungen. Die Prävention von postoperativen Schlafstörungen ist bislang nur unzureichend evaluiert. Für gefäßchirurgische Patienten mit entsprechendem Risikoprofil gilt umso mehr die Annahme, dass Störungen der Schlafarchitektur zu vermehrten hypoxämischen Episoden führen. Die genaue Störung der postoperativen Schlafarchitektur und deren Folgen sind für gefäßchirurgische Patienten bisher nicht geklärt, sodass diese im Rahmen einer prospektiv-randomisierten Studie evaluiert wurden.

Material und Methoden: Im Rahmen von peripheren Gefäßrekonstruktionen wurden 24 konsekutive Patienten eingeschlossen. Sie wurden offen, 1:1 in den Studienarm A (Einzelzimmer, ungestörte Bettruhe, keine Opiate, n=8) und B (Wachstation, Unterbrechung Bettruhe durch pflegerische Maßnahmen, Opiate, n=16) randomisiert. In der präoperativen-, operativen sowie in der Nacht des ersten postoperativen Tages wurde ein Schlafmonitoring mittels Polysomnographie (EEG, EOG und EMG) durchgeführt und schlafmedizinisch analysiert. Ferner wurden hypoxämische, kardiale und delirante Ereignisse dokumentiert.

Ergebnisse: In der präoperativen Nacht zeigte sich bei allen Patienten eine normale Schlafarchitektur. Eine deutliche Störung der Schlafarchitektur konnte in den darauf folgenden Nächten für Arm B nachgewiesen werden: Die Patienten im Arm A schliefen signifikant länger in der operativen Nacht (Schlaf 83,8 %, Wach 16,2%) im Vergleich zu Arm B (Schlaf 71,8 % Wach 28,2 %, p<0,05). Die REM-Phasen in Arm A betrugen 22 %, in Arm B 13,3 % (p<0,05). Die Patienten im Arm B zeigten in der Nacht des ersten postoperativen Tages eine REM-Phase von 27,7 %, in Arm A von 20,3 %. (p<0,05). Hypoxämische und delirante Ereignisse zeigten sich nur in Arm B (19 % vs. 0, p<0,05).

Schlussfolgerung: Nach gefäßchirurgischen Eingriffen zeigt sich eine veränderte Schlafarchitektur. Dies kann beeinflusst werden durch Erhöhung der tatsächlichen (Tief-)Schlaf- und REM-Phasen in der Nacht nach der Operation. Bei erhaltener Schlafhomöostase kann ein REM-Rebound mit konsekutiven Komplikationen vermieden werden.