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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Bluttransfusionen bei Intensivpatienten – tatsächlich ein unabhängiger Risikofaktor für die Letalität?

Meeting Abstract

  • corresponding author D. Rüttinger - Chirurgische Klinik und Poliklinik - Klinikum Grosshadern, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland
  • P. Moubarak - Chirurgische Klinik und Poliklinik - Klinikum Grosshadern, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland
  • H. Wolf - Chirurgische Klinik und Poliklinik - Klinikum Grosshadern, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland
  • H. Küchenhoff - Institut für Statistik, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland
  • K.-W. Jauch - Chirurgische Klinik und Poliklinik - Klinikum Grosshadern, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland
  • W. Hartl - Chirurgische Klinik und Poliklinik - Klinikum Grosshadern, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch6871

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch589.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Rüttinger et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Zahlreiche Kohortenstudien legen es nahe, dass die Gabe von Erythrozytenkonzentraten (EK) die Letalität bei kritisch kranken Patienten ungünstig beeinflusst. Im Gegensatz dazu konnte in kontrollierten Studien ein negativer Einfluss der EK-Gabe auf die Gesamtprognose eines Intensivpatienten nicht bestätigt werden. Problematisch ist, dass alle bisherigen Kohortenstudien bei der Analyse des EK-Effektes eine wichtige Kovariable, nämlich den Schweregrad der Erkrankung im Verlauf des Intensivaufenthaltes ausser Acht gelassen haben. Ziel der vorliegenden Auswertung war es, den Zusammenhang zwischen der Gabe von EK, der Schwere der zugrundeliegenden Erkrankung bei Aufnahme und besonders auch im Verlauf eines Intensivaufenthaltes, und der Gesamtprognose bei chirurgischen Intensivpatienten zu untersuchen.

Material und Methoden: Die vorliegende retrospektive Analyse wurde im Zeitraum zwischen März 1993 und Februar 2005 an der Intensivstation der Chirurgischen Klinik und Poliklinik – Klinikum Grosshadern durchgeführt. Eingeschlossen wurden 3037 Fälle, die jeweils für mehr als einen Tag intensivpflichtig waren. Patienten, die vor Aufnahme nicht operiert wurden oder lediglich aufgrund einer internistischen Erkrankung aufgenommen wurden, wurden nicht eingeschlossen. Sowohl bei Aufnahme als auch im weiteren Verlauf des Intensivaufenthaltes wurde der Schweregrad der Erkrankung (Apache II Score, modifizierter Goris Score) und weitere Parameter des klinischen Verlaufs (Dauer der Beatmungstherapie, Dauer der Katecholamintherapie, etc.) im Zusammenhang mit der Anzahl der verabreichten Blutkonserven prospektiv aufgezeichnet. Es wurden zwei getrennte multivariate Analysen hinsichtlich der abhängigen Variable „Letalität auf der Intensivstation“ durchgeführt, einmal ohne und einmal mit zusätzlicher Berücksichtigung von Verlaufsvariablen des Krankheitsschweregrades.

Ergebnisse: Es zeigte sich, dass die Gesamtzahl der während des Intensivaufenthaltes verabreichten Blutkonserven ebenso ein unabhängiger Parameter zur Vorhersage der Letalität war wie die maximale, an einem einzigen Tag gegebene Anzahl von Blutkonserven. Dies galt allerdings nur wenn man ausschließlich die bei Aufnahme erhobenen Parameter zum Schweregrad der Erkrankung als Covariablen berücksichtigte. Im Gegensatz dazu verlor die Bluttransfusion ihre Bedeutung als unabhängiger Risikofaktor für einen tödlichen Ausgang wenn Variablen mit einbezogen wurden, die den Krankheitschweregrad während des Intensivaufenthaltes reflektierten. Dennoch verblieb bei überlebenden Patienten eine positive Korrelation zwischen Bluttransfusion und der Dauer des Intensivaufenthaltes unabhängig davon ob nur die Parameter bei Aufnahme oder zusätzlich auch Verlaufsvariablen berücksichtigt wurden. Dies könnte bedeuten, dass die Gabe von Blutkonserven durchaus eine erhöhte Morbidität zur Folge haben kann.

Schlussfolgerung: Zusammenfassend kann nach unseren Ergebnissen davon ausgegangen werden, dass zwischen der Letalität bei kritisch kranken Intensivpatienten und der Gabe von Blutkonserven kein kausaler Zusammenhang besteht. Vielmehr scheint es, dass die Tatsache einer Bluttransfusion ein Surrogatmarker für die Schwere der zugrundliegenden Erkrankung ist. Lediglich bei Patienten mit geringer Krankheitsschwere (überlebende Patienten) lässt sich ein negativer Einfluss von Bluttransfusionen auf die Morbidität während des Intensivaufenthaltes erkennen.