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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Chronische Nikotinapplikation führt zu einer reduzierten endothelialen Aktivierung in männlichen, aber nicht in weiblichen Mäusen, hat jedoch keinen Einfluss auf Thrombozytenfunktion und mikrovaskuläre Thrombusbildung

Meeting Abstract

  • corresponding author U. Platz - Institut für Experimentelle Chirurgie, Universität Rostock, Rostock
  • N. Lindenblatt - Institut für Experimentelle Chirurgie, Universität Rostock, Rostock
  • J. Hameister - Institut für Toxikologie, Universität Rostock, Rostock
  • E. Klar - Abteilung für Allgemeine, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Universität Rostock, Rostock
  • M.D. Menger - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar
  • B. Vollmar - Institut für Experimentelle Chirurgie, Universität Rostock, Rostock

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7026

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch549.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Platz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das Rauchen von Tabak ist mit einer Erhöhung des Risikos für myokardiale Erkrankungen assoziiert und resultiert in einer vermehrten Inzidenz perioperativer Komplikationen. Frühere Studien zeigten u.a. eine Zunahme des P-Selektin-abhängigen Leukozytenrolling nach Applikation von Nikotin. Gleichzeitig wird bei weiblichen Rauchern die Einnahme von Östrogenpräparaten mit einem erhöhten Thromboserisiko assoziiert. In Gegensatz dazu führt eine transdermale Nikotinapplikation in klinischen Studien zu keinen negativen Effekten und wird heutzutage als sichere Methode zur Entwöhnung von Rauchern angesehen. Ein Zusammenhang zwischen Nikotinexposition und Thrombogenität ist daher bis dato nicht gesichert. Ziel dieser Studie war es daher, den Einfluss von Nikotin auf die mikrovaskuläre Thrombogenität geschlechtsabhängig zu untersuchen.

Material und Methoden: Im Modell der chronischen Rückenhautkammer der Maus (C57BL/6J Mäuse, Ketamin/Xylazin-Anästhesie 90/25 mg/kg ip) wurden die Kinetik der Bildung lichtinduzierter mikrovaskulärer Thrombosen mittels intravitaler Fluoreszenzmikroskopie quantitativ analysiert. Männliche und weibliche Tiere erhielten Nikotin im Trinkwasser (100 μg/ml) für insgesamt 8 Wochen. Kontrolltiere beiden Geschlechts erhielten normales Trinkwasser. Kotinin, ein stabiler Metabolit von Nikotin, wurde im Plasma bestimmt. Der Einfluss von Nikotin auf die endotheliale Funktion wurde durch immunhistochemische Analysen untersucht. Weiterhin wurde die Konzentration der zirkulierenden endothelialen Aktivierungsmarker mittels ELISA im Blut bestimmt. Durchflusszytometrische Analysen an murinen Thrombozyten dienten zur Charakterisierung des Einflusses von Nikotin auf die Thrombozytenfunktion. Mittelwert ± SEM; Student´s t-Test bzw. Mann-Whitney U-Test.

Ergebnisse: Nach chronischer Nikotinexposition lagen die Kotininplasmaspiegel im Bereich der Spiegel, die bei chronischen Rauchern gemessen werden (> 100 ng/ml vs. Kontrolle: < 10 ng/ml). Bei den männlichen Tieren mit chronischer Nikotinexposition war die Bildung arteriolärer und venulärer Thromben (komplette Stase: 640±96s bzw. 427±51s) nicht gegenüber den Kontrolltieren beschleunigt (komplette Stase: 577±78s bzw. 531±102s). Bei den weiblichen Tieren fanden sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede nach Nikotinexposition gegenüber den Kontrolltieren. Ebenso bestanden keine signifikanten Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren. In männlichen Tieren resultierte die chronische Nikotingabe in einer signifikant verminderten Expression von P-Selektin, PAF-R und PAI-1 auf dem vaskulären Endothel, während dieser Effekt bei weiblichen Tieren nur für PAI-1 nachweisbar war. Ebenso fand sich bei männlichen Nikotin-behandelten Tieren eine signifikante Reduktion von zirkulierendem sP-Selektin und sE-Selektin im Vergleich zu Kontrolltieren. Die durchflusszytometrischen Analysen ergaben keinen wesentlichen Effekt von Nikotin auf die Expression von P-Selektin, GP IIb/IIIa und CD 107a gegenüber Kontrollen spontan und nach Stimulierung mit Thrombin (2U/ml).

Schlussfolgerung: In der vorliegenden Studie konnte nach chronischer Nikotinexposition kein Effekt -weder per se, noch in Abhängigkeit vom Geschlecht- auf mikrovaskuläre Thrombusbildung und Expression thrombozytärer Adhäsionsmoleküle nachgewiesen werden. Es fand sich jedoch eine signifikante Reduktion der endothelialen Expression von Adhäsionsmolekülen in männlichen Tieren, wohingegen dieser Effekt in weiblichen Tieren nur angedeutet nachweisbar war.