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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Bioimpedanzmessung zur Risikostratifizierung in der Elektivchirurgie

Meeting Abstract

  • corresponding author F. Wolf - Klinikum Nürnberg, Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie
  • C. Jurowich - Klinikum Nürnberg, Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie
  • W. Uller - Klinikum Nürnberg, Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie
  • R. Hammer - Klinikum Nürnberg, Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie
  • C.-T. Germer - Klinikum Nürnberg, Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7258

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch531.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Wolf et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Häufigkeit mangelernährter Patienten beträgt im viszeralchirurgischen Patientengut bis zu 19%. Die Bioimpedanzmessung dient zur Erfassung der Verteilung von Körperfett und fettfreier Masse, die sich aus der extracellulären Masse (ECM) und der Körperzellmasse (BCM) zusammensetzt. Anhand dieser Daten kann der Ernährungsstatus von Patienten exakt definiert und etwaige Mangelernährungszustände aufgedeckt werden. Aufgrund des hohen technischen Aufwandes hat diese Methode, die als standardisiertes Verfahren zur Verfügung steht, bislang jedoch keinen Einfluss auf die klinische Routine und wird nur in wenigen Universitätskliniken im Rahmen von Studien angewandt. Gerade bei großer Elektivchirurgie ist die potenzielle Gefährdung durch Mangelernährung nicht zu unterschätzen.

Material und Methoden: Seit Juli 2006 wird in unserer Klinik ein Screening auf Mangelernährung bei folgenden Eingriffen durchgeführt: Ösophagusresektionen, Gastrektomien, Colon- und Rektumresektionen, Pankreasresektionen (812 Eingriffe im Jahr 2005). Zunächst erfolgt eine genaue Messung von Körpergröße und Gewicht. Anschließend erfolgt die Erfassung der ESPEN-Kriterien. Nachfolgend werden die Patienten nach einem Standardscreeningverfahren (Nutritional Risk Screening) in drei Risikogruppen (gut ernährt, überwachungspflichtig und mangelernährt) eingeteilt. Ergibt letztere einen Hinweis auf Mangelernährung, setzen wir die BIA-Messung zur genaueren Abschätzung des Ausmaßes ein. Mit den erhobenen Daten wird über ein Computerprogramm die Verteilung von Körperfett und fettfreie Masse errechnet. Anhand dieser Daten kann die präoperativ notwendige Substitutionstherapie geplant werden. Diese wird ergänzend zur täglichen Nahrungsaufnahme im Rahmen der Operationsvorbereitung 7 Tage präoperativ (eventuell auch parenterale Ernährung) verabreicht.

Ergebnisse: Anhand eines Beispiels eines Patienten mit Ösophaguskarzinom wird nachfolgend die Vorgehensweise der eigenen Klinik dargestellt.

  • Erstkontakt: Grösse: 1,80 m, Gewicht: 59,3 kg, flüssige Ernährung möglich•
  • Ernährungsscreening: BMI: 18,3, verminderte Nahrungsaufnahme, Gewichtsverlust 7 kg in 6 Wochen, NRS: mangelernährt•
  • BIA-Messung: Fettmasse 10,7%, Fettfreie Masse 89,3% davon ECM 57,3% und BCM 42,7%
  • Präoperative Substitution: 7 Tage 3-4 Trinkeinheiten einer hochkallorischen Lösung zusätzlich zur normalen (aktuell möglichen) Nahrungsaufnahme
  • Operation: abdominorechtsthorakale Ösophagusresektion mit Magenhochzug
  • Operationsergebnis und Verlauf: lokal R0-Resektion, passagere Pneumonie sonst komplikationsloser Verlauf
  • Ernährungsstatus postoperativ: Gewicht 61,4 kg, BMI: 19, vollständige enterale Ernährung, NRS: überwachungspflichtig

Schlussfolgerung: Durch konsequente Aufdeckung und präoperative Therapie von Mangelernährung kann die perioperative Morbidität überzeugend gesenkt werden. Neben der Erfassung allgemeiner Ernährungsdaten und Erfassung der ESPEN Kriterien ist die BIA-Messung ein leicht durchführbares, reproduzierbares Verfahren um Mangelernährung in der Elektivchirurgie zu quantifizieren. Anhand ihrer Ergebnisse kann die Sinnhaftigkeit und Zusammenstellung einer präoperativen Substitutionstherapie ermittelt werden.