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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Innovatives Gewebemanagement beim rezidivierenden Pneumothorax – von der Effizienz zur Evidenz

Meeting Abstract

  • R.T. Carbon - Kinderchirurgie, Department Chirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • C. Knorr - Kinderchirurgie, Department Chirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • B. Reingruber - Kinderchirurgie, Department Chirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • P. Weber - Kinderchirurgie, Department Chirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • H.P. Hümmer - Kinderchirurgie, Department Chirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • S. Baar - Anästhesiologie, Waldkrankenhaus St. Marien Erlangen
  • S. Kriegelstein - Unfallchirurgie, Department Chirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7736

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch329.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Carbon et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Im Gegensatz zum Spontanpneumothorax, der eine kurzfristige Morbidität darstellt, liegt beim rezidivierenden Pneumothorax meist eine Grunderkrankung vor. Hier sind letzlich invasivere chirurgische Maßnahmen gefordert. Konventionelles Armatorium sind Drainagen bis hin zu invasivsten Manipulationen zur Pleurodese durch Poudrage, Abrasio oder Pleurektomie. Reinterventionen sind höchst traumatisierend. Im Pleuraspalt bestehen in der Regel organisierte Adhäsionen, die keine vollständige Entfaltung der Lunge mehr zulassen und durch Scherspannung traumatisch auf die Pleura viszeralis wirken. Konsekutiv resezierende Maßnahmen wirken auf das Lungenvolumen konsumierend. Tx-Bedarf ergibt sich letztlich aus Progredienz der Grunderkrankung und Irresektabilität. Minimal invasive, möglichst Gewebe-konservierende, biokompatible Verfahren wären daher für eine innovative Behandlungsstrategie essentiell.

Material und Methoden: Zum Gewebemanagement wurden biokompatible Techniken evaluiert, mit denen Pleuraleckagen versiegelbar sind, weshalb der Schwerpunkt auf Sealing-Technologie gelegt wurde. Zum selektiven Pleuraleckverschluss [SLC]wurden Klebefestigkeiten und Dehnäquivalente unterschiedlicher biologischer Klebeverfahren (flüssig [L], vliesgebunden: prepare-to-use [P]), ready-to-use [R]) werkstoffwissenschaftlich am Biosimulator CCP (Druckkammer mit porciner Pleuramembran) bestimmt. Das führende Verfahren sollte in die MIC implementiert werden und Anwendung zum SLC bei rezidivierendem Pneumothorax finden.

Ergebnisse: Als effizientes Verfahren zum biokompatiblen SLC an der Pleura viszeralis erwies sich die ready-to-use vliesgebundene Klebetechnik [R]: Scaffolds aus Kollagen (ca. 50 qcm)zeigten höhere Klebefestigkeit [> 60 hPa] und Bioelastizität [p<.001] als L (< 10 hPa)- und P (< 30hPa) - Verfahren. Zudem ließ sich die höchste antimikrobielle Potenz bei entsprechender antibiotischer Imprägnierung [p<.001] ohne Verschlechterung der Klebefestigkeit nachweisen. Die klinische Implementierung erfolgte durch die Entwicklung eines MIC-Applikators [AMISA]. Das klinische Management mit MIC-SLC kam 1993-2005 an 123 Patienten (m. Alter 14,4 J.) mit obstruktiven Lungenerkrankungen (CF, COPD) zur Anwendung und wurde mit einer konventionell versorgten Kohorte (1985-1996, 284 Pat., m. Alter 13,2 J.) verglichen (s. Tabelle 1 [Tab. 1]). Alle Parameter ergaben für den MIC-SLC hoch/höchst signifikante Unterschiede im Sinne einer höheren Effizienz. Beobachtungen zur Adhäsionsprophylaxe/Minimierung des Sealing-Systems sind experimentell belegt und ließen sich bei Re-Eingriffen anhand der planimetrischen Dokumentation bestätigen. Notwendige Re-Eingriffe betrafen in keinem Fall primär versiegeltes Areal.

Schlussfolgerung: Die werkstoffwissenschaftliche Evaluierung von Verschlusstechniken bei Air-leaks präferiert die R-Vliesklebung. Die MIC-Implementierung mittels AMISA zeigt ein praktikables Verfahren. Es besteht ein biokompatibles, im wesentlichen Parenchym-konservierendes Vorgehen mit gewisser Adhäsionsprophylaxe, hoher klinischer Effizienz mit sozioökonomischer Tragweite. Weitere Minimalisierung des Verfahrens ist durch Änderung der Scaffoldarchitektur möglich. Tissue Engineering-Verfahren für Neopleura werden evaluiert. Für ein höheres Evidenzniveau müssen Multicenter-Studien eingebracht werden.