gms | German Medical Science

124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Versorgungsbegleitende patientennahe Qualitätsbeschreibung der Therapie solider Organtumoren aus der Sicht des Methodikers

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Altendorf-Hofmann - Tumorzentrum Jena
  • U. Altmann - Institut für Medizinische Informatik, Bereich Tumordokumentation, Justus-Liebig-Universität, Gießen
  • U. Settmacher - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Jena

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7196

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch326.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Altendorf-Hofmann et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Dokumentationsarbeit macht einen hohen Anteil der täglichen ärztlichen Arbeitszeit in deutschen Kliniken aus. Dennoch fehlen außer für maligne Tumoren der weiblichen Brust und des Dickdarmes verlässliche Daten, die auf die Ergebnisqualität der regionalen Versorgung bei soliden Organtumoren schließen lassen. Ergebnisse aus anderen Ländern oder Kulturkreisen sind kaum übertragbar. Ansätze, die prinzipiell eine Bewertung von Behandlungsergebnissen liefern könnten, scheitern am fehlenden Krankenhausbezug (Epidemiologie) oder Follow-up (Externe Qualitätssicherungsmaßnahmen nach §137 SGB V). Ausgelöst durch die Diskussion um den Zusammenhang zwischen Eingriffshäufigkeit im Krankenhaus (hospital volume) und Ergebnisqualität entstehen derzeit Versorgungsstudien mit umfangreichen Dokumentationsinhalten, mit welchen die Datendefizite ausgeglichen werden sollen. Diese erhöhen jedoch die Belastung der Chirurgen durch Dokumentationsaufgaben, ohne dass die Betroffenen einen unmittelbaren Nutzen erkennen können.

Material und Methoden: Es wird ein Datensatz vorgestellt welcher im Sinne der Vorgabe „maximaler Informationsgewinn bei minimalem Aufwand“ optimiert wurde. Die in Klinischen Krebsregistern vorgehaltene Struktur, Logistik und Fachkenntnis erlaubt eine radikale Reduktion des klinischen Dokumentationsaufwandes. Basisdaten zu den Patienten (Geschlecht, Alter, Operationsdatum, Anschrift, Hausarzt) werden aus dem Verwaltungssystem übernommen. Schließende Statistik zum Vergleich von Endergebnissen setzt als Minimum die Berücksichtigung der gesicherten Prognosefaktoren voraus. Bei soliden Organtumoren aus Viszeralchirurgie, Gynäkologie, Urologie und HNO-Bereich sind dies nur wenige [1]. Insgesamt 8 Merkmale reichen aus, um bei der Mehrzahl solider Organtumoren einen standardisierter Bericht über die Prozess- und Ergebnisqualität der chirurgischen Therapie zu erstellen. Für spezielle Organtumoren sind wenige Angaben zur Diagnose oder Primärtherapie zu ergänzen (Tabelle 1 [Tab. 1]).

Ergebnisse: Klinische Krebsregister erfassen aufgrund der Gesetzgebung (Meldepflicht in den meisten Bundesländern) einen hohen Anteil (70-100%) der Primärerkrankungen. Diese Daten werden durch nahezu vollständige (>90%) Angaben zum Verlauf der Tumorerkrankung (Rezidiv, Behandlungsfolgen) und Life-status (Überlebenszeit, Todesdatum und -ursache) ergänzt. Damit können sie jährlich für Kliniken, welche die in Tabelle 1 [Tab. 1] aufgeführten Merkmale, z.B. in Form eines Entlassungsbriefes, für alle Krebspatienten mitteilen, Basisinformationen über die intermediäre und definitive Behandlungsqualität liefern. Den klinisch tätigen Ärzten entsteht kein Aufwand für Datenerhebung, -verwaltung und -pflege, für den Krankenhausträger entfallen die Kosten für Erwerb, Implementierung und Wartung von Software für Qualitätssicherung und Zertifizierung. Risikoadaptierte Ergebnisvergleiche mit regional, national und international publizierten Daten können vorgenommen, zeitliche Trends der Prozessqualität aufgezeigt werden. Für forschungsorientierte Einrichtungen steht eine jederzeit verfügbare, vollständige und inhaltlich belastbare Datenbasis für die Planung und Durchführung patientennaher klinischer Studien zur Verfügung.

Schlussfolgerung: Die klinischen Krebsregister können sowohl intern als auch extern über chirurgische Prozess- und Behandlungsqualität von Krebserkrankungen ausreichend informieren. Hierzu reicht die nachrichtliche Übersendung eines Entlassungsbriefes aus.


Literatur

1.
Gospodarowicz, O’Sullivan & Sobin (eds): Prognostic Factors in Cancer, 3th edition