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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Genetische Prädiposition bei Hernienpatienten

Meeting Abstract

  • corresponding author P. Lynen Jansen - Interdisziplinäres Zentrum für klinische Forschung, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
  • K. Junge - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
  • E. Bergert - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
  • M. Jansen - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
  • P. R. Mertens - Abteilung für Nephrologie und Immunologie, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
  • R. Rosch - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
  • U. Klinge - Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum, RWTH Aachen, Aachen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch6712

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch323.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Lynen Jansen et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Eine Störung des Kollagenstoffwechsels ist als Ursache der Hernienerkrankung beschrieben. Gleichzeitig ist die Hernie eine typische Manifestation der kongenitalen Kollagenerkrankungen und tritt gehäuft bei Patienten mit Bauchaortenaneurysma, Ehlers-Danlos- und Marfan- Syndrom auf. Die vorliegende Studie untersucht mit Hilfe von Stammbaumanalysen die familiäre Belastung von Hernienpatienten und deren Einfluss auf den Krankheitsverlauf unter Berücksichtigung von Risikofaktoren (Alter, Rauchen), die mit dem Kollagenstoffwechsel interferieren.

Material und Methoden: 214 Re-Rezidivpatienten, die im Zeitraum 1/1992 bis 1/2001 an der chirurgischen Klinik Aachen operiert wurden, wurden ermittelt, 109 Patienten konnten telefonisch kontaktiert werden. 92 Patienten waren zur Teilnahme an der Studie bereit und wurden im Hinblick auf eine familiäre Belastung in zwei Gruppen unterteilt. Beide Gruppen wurden hinsichtlich der Risikofaktoren Alter, Geschlecht, Rauchen, Nebenerkrankungen (Obstipation, chronische Bronchitis, Diabetes, KHK, Hypertonus, Prostatahyperplasie, Neoplasie) und Medikamenteneinnahme (Antihypertensiva, Lipidsenker, Antiphlogistica, Antidiabetika) verglichen. Der Einfluss der familiären Belastung auf Erkrankungsalter und Rezidivhäufigkeit wurde untersucht.

Ergebnisse: Von den 92 untersuchten Patienten wiesen 37 (40%) eine familiäre Belastung auf. Die untersuchten Risikofaktoren waren in beiden Gruppen gleich verteilt. Patienten mit familiärer Belastung erkrankten signifikant früher am 1. Rezidiv (p=0,038) und waren zum Zeitpunkt der Erstmanifestation im Schnitt 5 Jahre jünger (p=0.096) als nicht belasteten Patienten. Das Vorliegen von Nebenerkrankungen sowie die Einnahme von Medikamenten, nicht jedoch die familiäre Belastung, hatten einen signifikanten Einfluss auf die Rezidivhäufigkeit. Darüber hinaus verkürzte sich das rezidivfreie Intervall mit zunehmendem Alter, Raucher erkrankten signifikant früher als Nichtraucher.

Schlussfolgerung: Der hohe Anteil familiär belasteter Patienten sowie das signifikant erniedrigte Alter bei Auftreten des 1. Rezidiv in der Gruppe der familiär belasteten Patienten stützen die Hypothese einer genetischen Prädisposition. Die Analyse der Risikofaktoren weist darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung oder eines Rezidivs auch bei einem prädisponierenden Genotyp wesentlich durch nichtgenetische Faktoren wie Alter und Umwelteinflüsse bestimmt wird.