gms | German Medical Science

124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Komplexe Defekte des Gesichtsschädels – Indikationsstellung zur Präfabrikation freier Lappenplastiken mit V.A.C.®

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author G. Holle - Klinik für Plastische Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Markus Krankenhaus, Wilhelm Epstein Str. 2, 60431 Frankfurt/Main, Deutschland
  • U. von Fritschen - Klinik für Plastische Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Markus Krankenhaus, Wilhelm Epstein Str. 2, 60431 Frankfurt/Main, Deutschland
  • A. Peek - Klinik für Plastische und Handchirurgie, Brustzentrum, BHZ Vogtareuth, Deutschland
  • K. Exner - Klinik für Plastische Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Markus Krankenhaus, Wilhelm Epstein Str. 2, 60431 Frankfurt/Main, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7830

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch206.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Holle et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Komplexe Defekte des Gesichtes nach Trauma oder Tumorresektion betreffen sowohl äußere- als auch innere Grenzflächen (Digestions- und Respirationstrakt). Weder konventionelle Lappenplastiken noch neue Verfahren der Gesichtstransplantationen können die Anforderungen für dreidimensionale Rekonstruktionen erfüllen. Die gezielte Integration unterschiedlicher Gewebekomponenten im Rahmen der Lappenpräfabrikation erlaubt es, den individuellen Anforderungen des Defektmusters gerecht zu werden. Seit 1997 setzen wir dabei die Vakuumtherapie (VT) ein. Im Folgenden werden deskriptiv die Ergebnisse dargestellt und diskutiert.

Material und Methoden: Von 1997-2006 wurden in unserer Klinik 14 freie Lappen, zur Rekonstruktion im Bereich des Gesichtsschädels, mit VT präfabriziert. Diese wurden zunächst gehoben und vor Ort am Gefäßstiel belassen. Anschließend wurden die benötigten Gewebekomponenten eingesetzt (Spalthaut, Knorpel, Knochen) und der Lappen in der gewünschten Orientierung geformt. Die Form konnte durch dreidimensionale Abstützung mit PVA Schwamm dauerhaft stabilisiert werden. Es folgte die VT (konstant:100mmHg) für 1-2 Wochen, anschließend der freie, mikrochirurgische Gewebetransfer.

Ergebnisse: Bei 11 Para-/Scapulalappen und 3 Radialislappen konnten mit VT alle Transplantate (Spalthaut, Knorpel und Knochen) zum Einheilen gebracht werden. 1 Lappenteilnekrose trat in dieser Phase auf, Infektionen und Schrumpfungstendenzen wurden nicht beobachtet. Alle 14 Lappen konnten ohne vaskuläre Komplikationen mikrochirurgisch transplantiert werden (Anschlussgefäße: A. carotis 10x, A. temporalis 4x). In 2 Fällen kam es zu kleineren Infektionen, an den Grenzflächen (Lappen/Defekt), die zur Abheilung kamen. In der Nachbeobachtungszeit (3-38 Monate) konnte in allen Fällen ein sicherer Defektverschluss an allen Grenzflächen und dauerhaft eingeheilte Strukturbestandteile (Knorpel/Knochen) ohne Resorptionstendenz beobachtet werden.

Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass nicht nur die Transplantation von Haut, sondern auch autologen Knorpels und Knochens, mit der VT dauerhaft und unter Formung des Gewebes möglich ist. Die VT scheint die Präfabrikation durch gute Stabilisierung des Gewebes, Reduktion des Ödems unter Erhalt eines physiologischen Gewebemilieus und durch Verbesserung der Mikrozirkulation zu unterstützen. Die Schrumpfungstendenz des Gewebes erscheint vermindert. Durch die VT ist es möglich, die Präfabrikation freier Lappen zu beschleunigen und Komplikationen zu senken. Dies macht sie aktuell zur Methode der Wahl bei komplexen Defekten des Gesichtsschädels.