gms | German Medical Science

124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Einfluss des Body Mass Index auf die Effektivität einer stationären konservativen Therapie bei Patienten mit Rückenschmerzen

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author D. Daentzer - Orthopädische Klinik der MHH, Hannover
  • Ch. Flamme - Orthopädische Klinik der MHH, Hannover

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch6659

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch088.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Daentzer et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Vor jeder operativen Maßnahme zur Behandlung von Rückenschmerzen sollte außer bei Notfallindikationen die konservative Therapie ausgeschöpft werden. Dieses geschieht zunächst unter ambulanten, bei Erfolglosigkeit auch unter stationären Bedingungen. Als eine Prädisposition für Rückenschmerzen gilt das Übergewicht.Anhand der folgenden Studie wird der Effekt der konservativen Behandlung unter stationären Bedingungen bei Patienten mit Rückenschmerzen aufgezeigt und dabei insbesondere auf den Einfluss des Body Mass Index (BMI) eingegangen.

Material und Methoden: 65 Patienten wurden innerhalb eines Zeitraumes von 11 Monaten aufgrund von ambulant erfolglos therapierten Rückenschmerzen unter stationären Bedingungen in unserer Klinik behandelt. Es waren 28 Männer und 37 Frauen betroffen. Das Durchschnittsalter betrug 59,8 Jahre (25,5-87,6 Jahre). Die Patienten erhielten jeweils einen Fragebogen, den sie zu drei verschiedenen Zeitpunkten ausfüllen sollten: Vor Beginn und am Ende der stationären Behandlung sowie drei Monate später. Es wurden Einschätzungen zur Schmerzintensität anhand der visuellen Analog Scala (VAS) abgefragt. Außerdem wurden die Fragen gemäß dem Oswestry Low Back Pain Disability Questionnaire (ODI) und dem Roland-Morris-Score beantwortet. Die daraus ermittelten Ergebnisse wurden anhand des zeitlichen Verlaufes und in Abhängigkeit des BMI ausgewertet.

Ergebnisse: Die durchschnittliche stationäre Aufenthaltsdauer war 9,8 Tage. Der BMI betrug im Mittel 27,4 kg/m2 (17,9-45,0). Normalgewichtig (BMI < 24,9 kg/m2) waren 22 Patienten, leicht übergewichtig (BMI 25,0-29,9 kg/m2) 27, und eine mittlere Adipositas (BMI > 30 kg/m2) zeigten 16 Patienten. Zu Beginn der Behandlung betrug die Schmerzintensität durchschnittlich 6,9 (0,6-10,0) auf der VAS, bei Entlassung 3,7 (0,0-8,0) und beim Follow-up 5,5 (0,0-10,0). Ab einem BMI > 25 kg/m2 waren zu allen drei Zeitpunkten die Werte auf der VAS um ca. 2 Grade höher (entsprechend einer stärkeren Schmerzintensität) als bei den Normalgewichtigen. Eine ähnliche Tendenz zeigte die Auswertung des ODI und des Roland-Morris-Score. Alle Werte waren in beiden Scores und zu allen drei Zeitpunkten ab einem BMI > 25 kg/m2 höher und zeigten damit eine stärkere Beeinträchtigung der Patienten an als bei den Normalgewichtigen. Außerdem lagen die ermittelten Werte beider Scores zu Beginn der Behandlung jeweils höher (stärkere Beeinträchtigung) als bei Entlassung aus dem Krankenhaus. Beim Follow-up stiegen sie zwar wieder an, erreichten jedoch die Ausgangswerte nicht.

Schlussfolgerung: Die konservative Behandlung bei Patienten mit Rückenschmerzen unter stationären Bedingungen ist effektiv, aber nur für kurze Zeit. Nach wenigen Monaten lässt sich in allen drei Scores (VAS, ODI und Roland-Morris) wieder eine Zunahme der Schmerzen bzw. Beeinträchtigungen feststellen, ohne jedoch den initialen Schweregrad zu erreichen. Ab einem BMI > 25 kg/m2 haben die Patienten nicht nur schlechtere Werte in allen drei Scores, sondern sie profitieren auch mittelfristig signifikant weniger von der konservativen Behandlung. Übergewichtigen Patienten sollte deshalb dringend zu einer Reduktion des Körpergewichtes geraten werden. Außerdem scheint eine Fortsetzung der bei der stationären Behandlung eingeleiteten Therapiemaßnahmen besonders sinnvoll.