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124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

01. - 04.05.2007, München

Chronische Pankreatitis – eine Prädisposition für antibiotikaresistente Gallenwegsinfekte?!

Meeting Abstract

  • corresponding author T. Herzog - St. Josef-Hospital, Chirurgische Klinik, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland
  • C.A. Müller - St. Josef-Hospital, Chirurgische Klinik, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland
  • D. Weyhe - St. Josef-Hospital, Chirurgische Klinik, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland
  • M. Seelig - St. Josef-Hospital, Chirurgische Klinik, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland
  • W.E. Schmidt - St. Josef-Hospital, Medizinische Klinik I, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland
  • W. Uhl - St. Josef-Hospital, Chirurgische Klinik, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 01.-04.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgch7577

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2007/07dgch031.shtml

Veröffentlicht: 1. Oktober 2007

© 2007 Herzog et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Im Rahmen der Pankreaschirurgie führt die bakterielle Kontamination der Gallenwege zu einer erhöhten postoperativen Morbidität und Mortalität [1]. Die wichtigste Ursache einer mikrobiologischen Besiedlung der Gallenwege ist das präoperative biliäre Stenting [2]. Jedoch sind bei Pankreaskopferkrankungen auch ohne ERC bakteriell kontaminierte Gallengänge keine Seltenheit. Die Ätiologie dieser Gallenwegsinfekte ist jedoch unklar.

Material und Methoden: In einem Beobachtungszeitraum von 18 Monaten wurde in unserer Abteilung im Rahmen einer prospektiven Studie bei allen Pankreasoperationen mit biliodigestiver Anastomosierung (n=80) intraoperativ ein Gallengangsabstrich entnommen. Neben einer kombinierten Antibiotikaprophylaxe für 48 Stunden erfolgte intraoperativ die retrograde Spülung der Gallengänge mit körperwarmer Kochsalzlösung.

Ergebnisse: Das präoperative Stenting war in 98% (40/41) mit einer Gallenwegsinfektion assoziiert vs. 21% (8/39) ohne Stent (p=0.0005). Bei 13% (5/39) der Patienten ohne Stent war eine ERC durchgeführt worden, jedoch waren die Gallengangskulturen dieser 5 Patienten alle steril. Bei 24% (8/34) des Patientenkollektivs ohne präoperative ERC war ein positiver intraoperativer Gallengangsabstrich gefunden worden. 11 Patienten dieses Kollektivs wurden aufgrund einer chronischen Pankreatitis operiert, die restlichen 28 aufgrund eines malignen Tumors. Bei 55% (6/11) der Patienten mit chronischer Pankreatitis waren im Gallengangsabstrich Keime nachweisbar. Lediglich bei 7% (2/28) der Patienten mit maligner Grunderkrankung waren im Gallengangsabstrich Keime anzüchtbar (p=0.0353). In 50% (4/8) der Fälle handelte es sich um eine Monoinfektion, in den restlichen 50% (4/8) konnten 2 oder mehr Spezies identifiziert werden. In 75% (6/8) aller Fälle lagen antibiotikaresistente Keime vor (Enterococcus sp., E. coli, Citrobacter sp., Klebsiella sp.). Im Gegensatz dazu waren Antibiotikaresistenzen nach Stenting in lediglich 30% (12/40) der Fälle nachweisbar (p=0.2555).

Schlussfolgerung: Auch ohne ERC oder Stenting besteht bei Patienten mit chronischer Pankreatitis ein hohes Risiko einer bakteriellen Gallengangsbesiedlung. Antibiotikaresistente Keime sind in diesem Patientenkollektiv häufig. Die Kenntnis der häufigsten klinikeigenen Keimspezies ermöglicht im Zweifelsfall eine antibiogrammgerechte Therapie.


Literatur

1.
Jagannath et al, Br J Surg 2005, 92: 356-361
2.
Grizas et al, Medicina 2005, 41: 386-391