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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Bestimmt der Aufnahmezeitpunkt Behandlungseffizienz und Outcome beim Polytraumatisierten?

Meeting Abstract

  • corresponding author C. Attenberger - Abteilung Traumatologie Universitätsspital Basel
  • F. Amsler - CARCAS Switzerland
  • M. Schueepp - Abteilung Traumatologie Universitätsspital Basel
  • I. Montali - Abteilung Traumatologie Universitätsspital Basel
  • T. Gross - Abteilung Traumatologie Universitätsspital Basel

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5626

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch546.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Attenberger et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Schnelligkeit und Qualität der diagnostischen und therapeutischen Abläufe in der Initialphase der Behandlung von Schwerverletzten haben einen relevanten Einfluss auf das Ergebnis. Unabdingbar ist daher der effiziente Einsatz aller notwendigen Personal-, Diagnostik- und Therapieressourcen. Wie sieht es damit in den Zeiten geringerer Personalreserven wie z.B. während des Nachtdienstes oder am Wochenende aus?

Material und Methoden: Prospektiv- konsekutive Erfassung aller unfallchirurgischen Schockraumeinsätze einer Zentrumsklinik mittels standardisiertem Studienprotokoll vom 23.08.01 – 30.04.05. Statistische Auswertung mittels Chi-Quadrat-Test und ANOVA.

Ergebnisse: Bei 508 Schockraumeinsätzen wurden 237 Polytraumatisierte (ISS>15) erfasst (Ø 42,8 Jahre; Ø ISS 29,5). Der Aufnahmezeitpunkt lag bei 148 Patienten (Ø 46,4 Jahre, Ø ISS 29,2) zwischen 7-19 Uhr und bei 89 Mehrfachverletzten (Ø 36,9 Jahre, Ø ISS 30,0) zwischen 19-7 Uhr. Nächtlich hospitalisierte Patienten waren im Vergleich jünger (F=12,1; p=0,001) und im GCS reduzierter (Tag-Gruppe: 11,0, Nacht-Gruppe: 9,6 (F=5,33; p=0,022)). Bei der Verletzungsschwere fand sich eine Tendenz zu schlechteren AIS in der Nacht, gesamthaft nicht signifikant. Beide Gruppen waren bzgl. ISS und Eintrittshämoglobin vergleichbar, unterschieden sich jedoch signifikant in der Schockhäufigkeit (Tag-Gruppe:13,6%, Nacht-Gruppe: 26,2% (X2=5,6; p=0,018)). Tendenziell erhielten Polytraumatisierte nachts mehr Erythrozytenkonzentrate bei vergleichbarer Gesamtinfusionsmenge. Die Intubationshäufigkeit betrug in der Nacht 21%, am Tag 15% (n.s.). Diagnostikzeiten (je im Ø 1 Minute schneller bis Sono Abdomen, Röntgen Thorax/Becken (n.s.); Eintritt bis CT: Ø 6 Minuten schneller (Tag-Gruppe: 46,8 Minuten, Nacht-Gruppe: 41,0 Minuten (F=3,82, p=0,05)) und CT-Dauer (Tag-Gruppe: 27,2 Minuten, Nacht-Gruppe: 25,3 Minuten (F=4,26, p=0,04)) waren nachts kürzer. Zudem scheint die Zeitspanne bis zur ersten operativen Versorgung nachts um ca. 20 Minuten effizienter zu sein. Hospitalisationsletalität, Beatmungstage und ICU-Gesamtaufenthalt ergaben keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen. In der Analyse bzgl. des Wochenendes zeigten sich ähnliche Resultate wie in der Tag-Nacht Versorgung.

Schlussfolgerung: Bei vergleichbarer Unfallschwere gemäss injury severity score finden sich in unserer Klinik bei den nachts aufgenommenen Polytraumata Komplikationsfaktoren wie schlechtere GCS Werte und eine signifikant höhere Schockhäufigkeit. Trotz reduzierten Personalreserven haben aber diese im Nacht- oder Wochenenddienst hospitalisierten Mehrfachverletzten keinen schlechteren Outcome. Dies könnte mitbedingt sein durch die Tendenz zu schnellern Therapie- und Behandlungsabläufen. Multivariate Kontrolluntersuchungen und grössere Patientenkollektive müssen die statistische und klinische Relevanz dieser Ergebnisse überprüfen.