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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Pancoast-Tumor als Differentialdiagnose bei persistierenden Schulter-Armschmerzen

Meeting Abstract

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  • corresponding author M.A. Rudl - Klinik für Allgemein- und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen
  • W. Padberg - Klinik für Allgemein- und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5703

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch449.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Rudl et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Bei einem persistierenden Schulterschmerz mit Ausstrahlung in den Arm wird oft im Rahmen der Differentialdiagnostik nicht an einen Pancoast-Tumor gedacht. Die Diagnosestellung des Pancoast-Tumors ist schwierig, da extrapulmonale Symptome, besonders initial, dominieren. Ziel dieser Kasuistik ist es, zu sensibilisieren und den Pancoast-Tumor in den differentialdiagnostischen Prozess bei chronischen Schulterarmschmerzen miteinzubeziehen.

Material und Methoden: Präsentiert wird der unglückliche Krankheitsverlauf eines 58 jährigen Patienten mit chronischen, in den linken Arm ausstrahlenden Schulterschmerzen. Erst 11 Monate nach Beginn der Schmerzsymptomatik wurden der Verdacht auf einen Pancoast-Tumor gestellt und weitere diagnostische sowie therapeutische Schritte eingeleitet.

Ergebnisse: Ein 58jähriger Patient beklagte erstmals im Oktober 2004 Schmerzen im Bereich der linken Schulter mit Ausstrahlung in den linken Arm. Bei Beschwerdepersistenz wurde im Januar 2005 ambulant eine Kernspintomographie der Halswirbelsäule veranlasst mit Dokumentation degenerativer Veränderungen der Halswirbelsäule und einer Bandscheibenprotrusion, eine Myelopathie lag nicht vor. Unter dem Verdacht einer schmerzhaften Periarthropatia humeroscapularis wurde im April 2005 ambulant eine Schmerzbestrahlung durchgeführt, eine Beschwerdebesserung wurde nicht erreicht. Im Mai 2005 unterzog sich der Patient einer operativen Neurolyse des linksseitgen Nervus ulnaris im Bereich des Ellenbogengelenkes bei einem fraglichen N.-ulnaris-Syndrom, eine Linderung der Schmerzen konnte wiederum nicht erreicht werden. Im Juli 2005 wurden letztlich während eines stationären Aufenthaltes im Rahmen einer Schmerztherapie eine Kernspin- sowie Computertomographie des Halses und des Thorax veranlasst, hierbei zeigte sich ein großer, 5,5x3x4cm³ messender Tumor in der oberen Thoraxapertur links mit Infitration des Plexus brachialis sowie der A. subclavia und A. carotis comm. links. Nach stationärer Aufnahme in unserer Klinik erfolgte im August 2005 eine operative Gewebeentnahme supraklavikulär mit Nachweis eines Adenocarcinoms, passend zu einem infiltrierenden Pancoasttumor. Die Bronchoskopie zeigte lediglich eine chronische Bronchitis, es bestand eine linksseitige Lähmung des N. recurrens. Aufgrund des fortgeschrittenen Tumorleidens wurde der Patient einer primären Radiochemotherapie zugeführt.

Schlussfolgerung: Persistierende Schulterschmerzen mit Ausstrahlung in den Arm sollten immer auch an einen Pancoasttumor denken lassen. Bei klinischen Verdacht auf einen Pancoasttumor muß die bildgebende Diagnostik die Lungenspitzenregion miteinschließen, um eine frühzeitige und akkurate Diagnose eines Pancoasttumors stellen zu können. Pancoasttumoren verursachen frühzeitig primär extrapulmonale Symptome, aufgrund der peripheren Lage lässt sich häufig bronchoskopisch kein Tumor direkt nachweisen. Das „ Daran-Denken“ ist entscheidend für eine frühzeitige Diagnose.