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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Weichteiltumor unklarer Dignität

Meeting Abstract

  • corresponding author J. Hauser - Klinik für Plastische Chirurgie, BG-Kliniken Bergmannsheil, Bochum, Deutschland
  • D. Drücke - Klinik für Plastische Chirurgie, BG-Kliniken Bergmannsheil, Bochum, Deutschland
  • M. Lehnhardt - Klinik für Plastische Chirurgie, BG-Kliniken Bergmannsheil, Bochum, Deutschland
  • K. Kuhnen - Institut für Pathologie BG-Kliniken Bergmannsheil, Bochum, Deutschland
  • H.H. Homann - Klinik für Plastische Chirurgie, BG-Kliniken Bergmannsheil, Bochum, Deutschland
  • H.U. Steinau - Klinik für Plastische Chirurgie, BG-Kliniken Bergmannsheil, Bochum, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch4849

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch394.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Hauser et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Zystische Nekrotisierung mit Verflüssigung und Verkalkung der Muskulatur ist eine seltene Spätfolge eines Kompartmentsyndromes. Die Diagnostik und Therapie dieses Krankheitsbildes stellt nach wie vor ein Problem dar. Die Therapieempfehlungen reichen von der Durchführung einer Stichinzision mit angestebter Sekundärheilung über Punktions-Dekompressionen bis hin zur weitreichenden Kompartmentresektion. Wir berichten über einen Fall bei welchem eine Nekrotisierende Kalzifikation von drei Unterschenkelkompartimenten 51 Jahre nach einer Unterschenkelfraktur klinisch manifest wurde. Die stationäre Einweisung des Patienten erfolgte unter der Verdachtsdiagnose eines malignen Sarkomes.

Material und Methoden: Der Patient bemerkte drei schmerzlose, größenprogrediente Weichteiltumoren im Bereich des linken Unterschenkels. Anamnestisch erlitt der Patient vor 51 Jahren eine komplette Unterschenkelfraktur links welche konservativ versorgt wurde.Der Patient ist schmerzfrei. Klinisch zeigt sich eine Fußheberschwäche links.Labor: Deutlich erhöhte Entzündungsparameter mit einer Leukozytose von 12.200/nl und einer CRP-Erhöhung auf 14,3 mg/dl.Röntgen: Knöchern konsolidierte komplette Unterschenkelfraktur links, ausgeprägte Weichteilverkalkungen. MRT: In der T2 gewichteten Sequenz deutliche Kontrastmittel-Anreicherung im Bereich der Peroneal-und Tibialis anterior Loge mit schwammförmig aufgetriebener Muskulatur bildmorphologisch passend zu einem Hämangiom, ausgeprägte Weichteilverkalkungen.Lateralseitig zeigt sich zudem ein solider kontrastmittelanreichernder, der Faszie aufsitzender Tumor.

Ergebnisse: Es wurde eine komplette Resektion des lateralen, anterioren sowie eine partielle Resektion des dorsalen Kompartimentes des Unterschenkels vorgenommen. Es erfolgte daraufhin ein primärer Hautverschluß über zwei Redondrainagen. Im weiteren Verlauf kam es zu einer komplikationslosen Ausheilung. Schon einige Tage postoperativ konnte der Patient das betroffene Bein voll belasten und das Gangbild des Patienten war annähernd unauffällig.

Schlussfolgerung: Das Kompartmentsyndrom wird bedingt durch einen erhöhten Gewebsdruck innerhalb einer faszienumschlossenen Muskelloge. Dieser pathologisch erhöhte Druck führt in der Regel zu akuten neuro-vaskulären Komplikationen. Die zystische Degeneration und Verkalkung der Weichteile, Jahrzehnte nach dem eigentlichen Trauma, ist eine ungewöhnliche Spätfolge eines Kompartmentsyndroms. Der genaue Pathomechanismus dieses Krankheitsverlaufes ist nach wie vor unklar. Der Grad der initialen Ischämie und das dadurch resultierende Ausmaß der Gewebsnekrose ist sicherlich ein entscheidender Faktor für den Verlauf eines Kompartmentsyndroms. Bei der zystischen Degeneration handelt es sich am ehesten um einen eher schleichenden Gewebszerfall und die Intaktheit der umgebenden Muskelfaszie verhindert zunächst, dass das Syndrom klinisch auffällig wird. Kommt es nach Jahren zu einer Ruptur oder Degeneration der Faszienhülle kann sich der nekrotische, verkalkte und verflüssigte Debris in den Subkutanraum entleeren und wird somit klinisch manifest.Bis dato sind nur wenige Fälle beschrieben worden und die Diagnostik aber auch die Therapie gilt nach wie vor als schwierigAufgrund des atypischen Verlaufes und des imposanten bildmorphologischen Aspektes wurde in den wenigen Fällen die in der Literatur beschrieben sind zunächst jeweils der Verdacht auf ein abszedierendes Geschehen oder einen maligen Prozess geäußert und sollte bis zum Beweis des Gegenteiles auch nicht ausser Acht gelassen werden.